Was passiert, wenn wir es im Alltag zur Priorität machen, unser Nervensystem zu beruhigen? In diesem Artikel schreibe ich über innere Veränderung statt äußerem Umbruch. Es ist erstaunlich, welche große Transformation in einem Leben möglich sind, die nach außen zunächst fast unsichbar bleibt.
Wir denken oft, eine große Umwälzung müsse her, damit es uns besser geht oder unser Leben stimmiger wird: Mehr Geld, ein neuer Abschluss, den Job loswerden, vollständig gesund sein; solche Dinge.
Doch in den letzten Jahren habe ich die Macht heimlicher Veränderungen im Innenbereich meines Lebens erfahren.
Kleine Gewohnheiten mit großer Wirkung
Nur ein paar Beispiele dafür, was ich tue, um mein Nervensystem im Alltag zu beruhigen:
- Veränderter Schlafrhythmus: Ich habe die Schlafenszeiten seit Januar so verändert, dass ich unter der Woche und am Wochenende fast zur selben Zeit aufstehe. Bedeutet für mich: 6:00 Uhr aufstehen, am Wochenende nicht später als 7:00 Uhr. (Hinweis: Ich bin kein Morgenmensch. 😱) Damit das funktioniert, stricke ich nach und nach den ganzen Alltag um.
- Morgenübungen: An mehreren Tagen die Woche mache ich nach dem (sanften) Aufwachen einige Übungen. Ein kleiner Beitrag für Kraft und Beweglichkeit.
- Muskelversorgung: Ich achte darauf, genügend Protein zu essen. Der Bedarf für langfristigen Muskel-Erhalt wird allgemein unterschätzt. Ich bin satter, habe weniger Süßhunger. Ich hoffe, dass es mir auf Dauer gut tut.
- Priorität auf Pausenkultur: Im Laufe der Zeit sind verschiedene Formen von Pausen immer wichtiger für mich geworden, einfach, weil ich meinen Erholungsbedarf ernst nehme. Dazu gehört für mich: Täglich meditieren. Siesta machen. Abends den Tag bewusst abschließen. Und zwischendurch immer wieder innehalten; kleine Momente von Rückzug, die nach außen unsichtbar sind und nach innen sehr viel verändern.
- Ordnung und Neuordnung: Aus all dem hat sich ergeben, dass ich mehr aufräume: 😱 Einfach weil ich merke, dass mir Unordnung doch etwas ausmacht, selbst wenn sie kreativ ist. (Siehe auch dieser Artikel: Vielseitigkeit und Ordnung – eine Hassliebe.) Die Idee ist, die Wohnung immer so hübsch zu haben, wie ich sie für Besuch mache. Manchmal frage ich mich: Bin das noch ich?! Aber ich merke, dass es mein Nervensystem beruhigt, statt mich ständig mit offenen Baustellen zu konfrontieren.
Es hat sich eben nach und nach so ergeben, die innere Ruhe immer wichtiger zu empfinden. Und dem immer mehr nachzugeben. (Siehe auch dieser Artikel: Erschöpfung: Die geheime Weisheit des Faultiermodus 🦥.)
Nervensystem beruhigen: Was hat sich verändert? Was ist der Preis?
Das Ergebnis ist nicht einfach „besser“. Die Umstellungen sind ein Prozess, der auch einen Preis hat.
Ich schlafe insgesamt mehr und besser. Aber gerade am Anfang auch öfter zu wenig.
Ich bin tagsüber oft fokussierter. Aber abends früher müde, mit weniger Spielraum als früher.
Im Übergang war ich immer wieder erschöpft. Jetzt, im vierten Monat, wird es spürbar stabiler.
Vielleicht hat der Körper früher schon gesagt, wann er müde ist. Aber der Geist konnte immer den „Weitermachen!“-Button drücken.
Das geht jetzt nicht mehr so. Ich kann Dinge weniger erzwingen. Mein System meldet Stress und Überforderung früher zurück. Manchmal fühle ich mich also „noch empfindlicher“.
Andererseits erlebe ich tiefere innere Ruhe, besseren Schlaf und mehr Gefühl, in mir zu ruhen.
Ins Bett gehen, weil ich müde bin, ist ein ungewohntes Gefühl: Wie aufgeben. Weil ich den Stress einfach nicht mehr aushalten kann und will.
Den Freiheitsdrang, einfach weiterzumachen, empfinde ich jetzt als Angst, etwas zu verpassen, die auch einen hohen Preis gekostet hat.
Jetzt tausche ich diese Art von Freiheit ein gegen etwas anderes:
Freie Flächen, Verlässlichkeit; die Gewissheit, dass ich zur Ruhe kommen werde.
Ich bin mehr für meinen Körper da. Und für mein inneres Gefühl, was ich wirklich brauche.
Fazit: Dasselbe Leben, ein anderes Gefühl
Äußerlich hat sich wenig verändert:
gleiches Haus, gleicher Job, gleiche Beziehungen.
Und gleichzeitig fühlt sich alles anders an.
Ich lebe näher an meinen Bedürfnissen.
Begrenzter, und gerade dadurch freier.
Manchmal denke ich, ich werde „langweilig“ oder vor der Zeit alt!
Tatsächlich setze ich gerade eine klare Priorität:
die Beruhigung meines Nervensystems.
Und ich bin dankbar dafür.
Nervensystem beruhigen – Fragen an dich
Was könntest du ausprobieren, um dein Nervensystem zu beruhigen und dich schonender zu behandeln?
Beispiel: Stress wahrnehmen und früher darauf reagieren, indem du eine Pause machst.
Was könntest du verändern, das nach außen kaum sichtbar ist – aber für dich selbst viel?
Beispiel: Dir Grenzen gegen Überforderung erlauben (egal, ob es äußere oder innere Anforderungen sind).
Und welche heimliche, freundliche Gewohnheit würde dir erlauben, mehr deinem eigenen Wesen und Energielevel zu entsprechen?
Beispiel: Ein bisschen mehr Ordnung, oder mehr Kreativität, oder früher schlafen, oder morgens in dich hineinspüren. Für dich sorgen, egal was um dich herum geschieht.