Umgang mit schwierigen Veränderungen: Die Kraft der Milde

Der Umgang mit schwierigen Veränderungen gehört zu den größten Herausforderungen im Leben. Manche Ereignisse treffen uns plötzlich und verändern unsere Sicht auf die Welt.

Wie geht es dir mit dem Begriff Liebe, mit dem Begriff Selbstliebe? Mit Wörtern wie Annahme oder innerer Frieden?

Löst das positive Gefühl in dir aus? Sind die Wörter dir nahe, leicht zugänglich, oder regen sich da Widerstände?

 

Warum große positive Begriffe überfordern können

Ich fand zum Beispiel das Wort Liebe früher oft zu hoch gegriffen, zu eindeutig positiv, zu aufgeladen.

„Nächstenliebe“ konnte zu kitschig klingen.

Auch mit der buddhistischen Tradition liebender Güte – also eine freundliche Liebe, die im Herzen stattfindet und die man für sich selbst und andere empfindet – konnte ich nicht so viel anfangen.

Annahme klang oft so absolut. Und echter innerer Frieden schien unerreichbar.

Ich fühlte mich dem nicht gewachsen. Als ob ich dem Anspruch nicht gerecht werde.

 

Positive, freundliche Gefühle zu Menschen, ja natürlich. Aber nicht immer gleich Liebe, Nächstenliebe oder liebende Güte. 

Ich suchte nach anderen Begriffen. Freundlichkeit, Annahme, Zuneigung, Verbundenheit. 

Aber wenn man introvertiert oder hochsensibel ist, können Beziehungen sich ziemlich schwierig anfühlen, nicht immer nur rein positiv.

Und dann kann selbst Verbundenheit irgendwie anstrengend wirken.

 

Es gab dann einen Anlass, wo ich noch einen neuen Ansatz wählen musste. Eine Situation, wo Annahme und Liebe nicht greifbar waren, sondern ich nur eine Ahnung von Milde spüren konnte.

 

Wenn plötzlich alles anders ist

Vor Jahren fand in unserer Nähe eine Gewalttat statt.

Jemand tötete ohne Anlass unschuldige Leute.

Schock in der Region. Alarm, Verstörung.

Gewalt löst etwas aus wie eine fundamentale Erschütterung, eine tiefe Fassungslosigkeit mit einem Wirbel an überwältigenden Gefühlen.

 

Eine kurze Weile habe ich befürchtet, jemand aus meiner Familie könnte unter den Opfern sein.

Zum Glück war das nicht der Fall.

Ich war entlastet.

 

An dem Wochenende verfolgte ich die Meldungen.

Und dann wurde mir klar, dass ich den Täter kannte.

Da kam der Schock noch einmal mehr bei mir an.

 

Eine schwere Welle von Traurigkeit und Lähmung schlug über mir zusammen.

Die Sinnlosigkeit, die Unfasslichkeit, die Unvermeidlichkeit.

Das Leiden und die Trauer.

Ein Moment, und alles ist verändert.

Man weiß nicht, wie man es einordnen kann.

 

Wie kann man mit schwierigen Ereignissen umgehen?

Ich wusste, dass Leute weinten um ihre Lieben, die sie verloren hatten.

Man hoffte, dass der Täter festgesetzt werden würde (und das war auch der Fall.)

Ich wusste, dass ich es gut getroffen hatte, denn ich war nicht geschädigt worden und auch niemand von meinen Lieben.

 

Jeder Mensch entwickelt seinen eigenen Umgang mit schwierigen Veränderungen.

Ich versuchte, meine Gefühle in Worte zu fassen, in kurze Gedichte.

Und irgendwo mitten in all diesen schwierigen Gefühlen fand ich etwas Frieden.

Diese Zeilen entstanden aus dem Schmerz, den ich empfand.

 

Worte finden für die Gefühle

Trauer
ein Schleier
der auf allem liegt
dämpfend und schwer

 

Trauer
wie verletzlich
wie fragil
das Leben ist

 

Milde
Ein warmer Sommerwind
eine Ahnung von Sanftmut
als wäre mein Herz
ein Ort der Milde

 

Milde statt Perfektion

Manchmal haben wir nur eine Annäherung. Nur „als ob“. Als ob es ein Ort der Milde wäre.

Und auch nicht „Ort der Liebe“ oder „Ort der Annahme“.

 

Manchmal ist eine Ahnung von Sanftmut schon Frieden genug für die Situation.

Eine Milde, so wie eine kleine Vergebung aus dem Loslassen heraus, weil ich das Geschehene nicht ändern kann und das Leben größer ist als ich.

So wie für einen Moment Weichheit finden zwischen all den harschen Gefühlen.

 

Und inzwischen hat sich mein Gefühl weiterentwickelt. Ich kann Liebe fühlen und Wärme, die mich nicht überfluten, mich nicht überfordern.

Liebe und Wärme, die von anderen nichts will, sondern in mir stattfindet, mein eigenes Herz erfüllt.

Ich habe viel Annahme geübt und viel Mitgefühl; Freundlichkeit in mir selbst. Viel Verstehen und dadurch auch Vergebung.

 

Ein rasantes Jahr mit vielen Veränderungen

Dieses Jahr ist recht rasant. Veränderungen kommen plötzlich. Stürze, Notfälle, Operationen, Wechsel aller Art. So empfinde ich es in meinem Umfeld.

Ich glaube, genau da brauchen wir Milde und Sanftmut immer wieder.

Immer wieder, wenn Dinge geschehen, die uns treffen, traurig machen, ratlos zurücklassen oder unglaublich fordern.

 

Veränderungen im Leben brauchen Sanftmut

Ja: Es ist schwer.
Es fordert uns enorm heraus.

Und vielleicht empfinden wir in schweren Zeiten nicht immer Liebe.
Keine Dankbarkeit.
Und vielleicht keinen inneren Frieden.

Doch manchmal entsteht eine Ahnung von Sanftmut.

Und das ist ein Moment inneren Friedens.

Das ist genug.

 

Das Leben geht weiter, und wir finden Lösungen, Umgangsweisen, neue Möglichkeiten; auch wenn es in einer veränderten Situation ist.

Es ist schön, immer wieder zu diesem Ort der Milde zurückzukehren.

 

Milde
Ein warmer Sommerwind
eine Ahnung von Sanftmut
als wäre mein Herz
ein Ort der Milde

 

 

 

 

 

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