Zeit des kreativen Aufbruchs: Eigenmächtig den künstlerischen Weg beschreiten

Der Herbst ist für mich eine Zeit des kreativen Aufbruchs.

Vielleicht liegt es am Gefühl, mich mit Wärme und neuen Eindrücken aufgetankt zu haben und bereit zu sein für neue Projekte.

Vielleicht kommt es durch die Erinnerung an Aufbrüche wie neue Schuljahre, Studiensemester und neue Jobs, die ich meistens im Herbst angetreten habe.

Oder an der Üppigkeit, diesen unglaublich reichen Farben.

 

Und dann liegt es auch an meinem persönlichen Jubiläum mit dem Weg des Künstlers, von dem ich dir hier erzählen will.

 

Ein kreatives Jahresrad

Mit dem Sommer kommt die Wärme, die anwachsende Kraft.

Ich will raus, in Cafés und Ausstellungen gehen, Gartenparties halten, Fotosessions machen, etwas erleben.

Ob ich auch alles so ausführen kann, ist dann noch die Frage … Als Hochsensible werde ich schnell überflutet und muss fein dosieren, welche meiner hundert Ideen wirklich in mein Energiebudget passen und jetzt dran sind.

Jedenfalls ist mir im Sommer mehr Außenaktivität möglich als in der dunklen Zeit, die mich schon aus gesundheitlichen Gründen zu einem gewissen Rückzug einlädt.

Der Juli fühlt sich nach Grillabenden an, zusammen im Freien sein, tanzen, leben.

Der Augusturlaub bringt Erlebnisse und neue innere Bilder.

Dann neigt sich der August dem September zu. Und ich kriege Aufbruchsstimmung.

Wie jetzt? Kreativer Aufbruch, Rückzug, was denn nun?

 

Herbst, kreativer Aufbruch

Ja, im September bekomme ich Aufbruchsstimmung. Sie zieht sich bis in den dunklen Herbst hinein. Die Natur ist bunt wie nie, bunter als im Frühling. Es riecht nach Erde und Früchten, fühlt sich nach Kastanien in der Jackentasche an.

September ist der Monat des Schulbeginns, und ob für mich in der Schule alles so war, wie es gut gewesen wäre, oder nicht – es war jedenfalls ein Aufbruch. Neue Fächer, neue Bücher, Hefte, Stifte, LehrerInnen. Ein bestimmter Duft.

Auch mein Studium hat im Herbst begonnen, und zufällig mehrere meiner Jobs. Etwas Neues, Aufregendes, das die ganze Person meint und packt.

Dieses Gefühl, voller Sommerkraft und Möglichkeiten zu sein, und dann fängt etwas Neues an.

Das hat sich in einem wichtigen Jahr noch verstärkt, als ich ein für mich magisches Buch fand.

 

Reise in die Vergangenheit

Während eines Bodenseeurlaubs im Jahr 2009 spazierte ich in Lindau in einen Buchladen und sah mich neugierig um:

Charmantes einladendes Sammelsurium von Büchern, Textilien aus der Provence, atemberaubenden Geschenkpapierbögen, romantischer Papeterie. Das Konzept kam mir seltsam bekannt vor.

Und tatsächlich: Die Inhaberin hatte früher in Rothenburg ob der Tauber mehrere wunderschöne Rothenburger Buchläden, die ihren besonderen Charme verbreiteten.

Es gab dort immer Kaffee und frischgebackenen Kuchen. Während man stöberte, lief Musik aus Renaissance oder Barock. Wunderhübsche Briefpapiere aus Florenz waren zu finden, prachtvolle Tischdecken und Kissen, englische Marmeladen, Kekse und Tabletts. Ein unverkennbarer Stil.

Die Buchhändlerin selbst begrüßte ihre Kundschaft in mehreren Sprachen. Und schrieb etliche Bücher. Sie war also inzwischen nach Lindau umgezogen, wo ich sie wieder entdeckte.

Eine Atmosphäre, die kreatives Potenzial ausströmt.

 

Prickelnde Entdeckung: Der Weg des Künstlers

Genau dort in Lindau fand ich nun auf einem Stapel ein Buch, das transformierend in mein Leben eingriff: Der Weg des Künstlers von Julia Cameron.

Es hatte wunderschön marmoriertes Papier als Coverbild. „Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität“, das passte zu dem, was ich suchte.

Ich weiß noch, dass ich am 19.08. mit dem Lesen begann.

Ich ließ mich mit Haut und Haaren auf das ein, was Julia Cameron vermittelte. Wie ein durstiger Schwamm saugte ich in mich auf, was sie zu sagen hatte. Tauchte ein in die angebotenen Methoden und Übungen und ließ mich verändern.

 

Kreativität als Grundzustand

Camerons Botschaft ist: Eine frei fließende Kreativität ist unser eigentlicher Grundzustand.

Sie meint, die Kreativität nicht leben zu können, beruht auf Blockaden, die wir im Laufe des Lebens erworben haben.

Haltungen, die wir als Kinder oder Jugendliche lernten und die uns noch begleiten. Oder Situationen in unserem Leben, die unsere Hindernisse erhöht und unsere Kreativität reduziert haben.

Kreative Blockierung ist eine Krankheit.

Besser gesagt, eine Sucht: Leider können wir mit dem kranken – kreativitätsarmen – Zustand leben lernen – sogar laut Cameron nach den Blockierungen, den Hindernissen und dem Mangelzustand regelrecht „süchtig“ werden!

Obwohl die blockierten Zustände nicht gut für uns sind, ziehen wir sie dann der Kreativität vor.

Doch das raubt uns immer mehr Lebenskraft und Authentizität.

 

Der Weg des Künstlers bietet in 12 Kapiteln eine Art Entzug von den Blockaden an, eine Kur für unseren kreativen Anteil.

Cameron benützt dazu Techniken, mit denen sie sich selbst vom Alkoholismus und anderen Kreativitätsblockaden befreit hat. Und die sie in zahlreichen Kursen erweiterte und verfeinerte.

Ich kann nur sagen, für mich hat es funktioniert.

 

Reduzierte Kreativität macht uns krank

Reduzierte Kreativität als Suchterkrankung – klingt das nicht zu drastisch?

Ich finde es drastisch, mit wie viel Unbehagen und wie wenig Entfaltung wir angeblich auskommen sollen!

Sollen wir wirklich glauben, dass ein Leben, wo wir nur funktionieren – ein Leben ohne Erfüllung – normal ist?

 

Jedenfalls brauchen wir von den meisten gesellschaftlichen Institutionen nicht zu erwarten, dass sie uns zum persönlich stimmigen Selbstausdruck einladen. Sie fordern uns meistens zur Anpassung auf. Anpassung an die Bedürfnisse anderer Menschen, Gruppen, Organisationen.

Für den kreativen, individuell stimmigen Teil des Lebens zu sorgen, das bleibt uns selbst überlassen. Auch gegen Widerstände.

Da ist es gut, wenn es Konzepte gibt, wie wir das tun können.

 

Die Kurzformel bei Cameron: Wenn es dir nicht gut geht, Lebendigkeit und Kreativität rauf, Blockierung runter!

 

Ein Stamm kreativ-individualistischer Menschen

Wobei – auf den zweiten oder dritten Blick gibt es doch jede Menge Leute, die sich der Aufgabe widmen, diese einschränkenden Muster zu verändern.

Wir sind mehr Gleichgesinne, als man auf Anhieb sieht.

Kreative, interessierte Menschen bilden ein unscheinbares, widerständiges, quicklebendiges Netz gegenseitiger Ermächtigung.

Du brauchst nirgends beizutreten, einfach nur den kreativen Weg zu gehen. Dann bist du bereits Teil davon. Und du wirst die anderen erkennen, die auch so ticken.

 

Es gibt viele AutorInnen, die uns Hinweise zu diesem Weg der Entfaltung und Erfüllung geben können. Wie eben auch Cameron mit ihrem Buch. Wir alle können einander helfen, die nicht-hilfreichen Prägungen zu überwinden und in Richtung unserer eigentlichen Potenziale zu gehen.

Solche Funde stelle ich in meinem Blog immer wieder vor.

 

Landkarte schöpferischen Selbstausdrucks

Ich bin Julia Cameron dankbar, dass sie sich die Mühe gemacht hat, dieses Buch – und die Folgebände – zu schreiben. Es ist mir unverzichtbar.

Ich habe all die Sätze so oft gelesen (und das Buch kreuz und quer farbig markiert). Lass mich einige Highlights hier zitieren:

„Geben Sie sich die Erlaubnis, Anfänger zu sein. Indem Sie sich erlauben, ein schlechter Künstler zu sein, haben Sie die Chance, Künstler zu sein und vielleicht mit der Zeit ein sehr guter Künstler zu werden.“

(Hinweis zur Sprache: „Artist“ ist im Englischen geschlechtsneutral, das heißt, im Original klingt es nicht so rein männlich orientiert. Cameron schreibt sehr spürbar für Frauen und Männer.)

„Seien Sie sanft, aber unerschütterlich und halten Sie durch. Das Beste, was Sie für Ihre Freunde tun können ist, durch Ihre eigene Aktivierung ein Beispiel zu geben.“

„Über einen längeren Zeitraum hinweg erfordert Künstler sein eher Begeisterung als Disziplin. Begeisterung ist kein emotionaler Zustand. Sie ist eine spirituelle Verpflichtung, Liebe und Hingabe an unseren kreativen Prozess, ein liebevolles Anerkennen der gesamten Kreativität um uns herum.“

 

Cameron widmet sich den Ängsten, die wach werden können, wenn wir uns auf unsere Kreativität zubewegen. Den Irrtümern über Kunst oder Kreativität, mit denen wir aufwachsen. Sie bietet eine vollständige Landkarte kreativer Aktivierung, und das schon beim reinen Lesen der Essays.

(Für Übungs-Muffel: Übungen ignorieren und einfach trotzdem mal lesen! Es ist befreiend.)

 

Hunger nach Inspiration

Wenn die Zeit im Jahr wieder kommt, in der ich das Buch das erste Mal gelesen habe, dann erinnere ich mich daran, wie ich – den Übungen folgend – an der Jahreszeit mit allen Sinnen teilgenommen habe.

Wie ich meine Jackentaschen mit glänzenden Kastanien und Kieselsteinchen füllte.

Wie ich meine Morgenseiten schrieb und Listen von Hobbys oder Berufe erstellte, die noch für mich passen könnten.

Und wie ich mich einmal die Woche zum Künstler-Treff ausführte, um irgendetwas Inspirierendes zu erleben, ganz allein.

 

Die Luft vibriert von Möglichkeiten.

Der September geht in den Oktober über, der November kommt und macht neugierig auf mehr – der Herbst zeigt verschiedene Facetten – und mein kreatives Leben dreht sich weiter.

Ich verschlinge und verinnerliche ein Buch und gehe weiter zum nächsten, das mich wieder neue Perspektiven lehrt.

Davon kann ich niemals genug bekommen.

 

Alles könnte möglich sein

So gehe ich voller Hunger nach Inspiration in die dunkle Jahreszeit hinein.

Kreativer Aufbruch. Alles könnte möglich sein:

Romane könnten weitergeschrieben werden, Sprachen aufgefrischt, ganz neue Bilder gemalt werden. Verschiedene Feste werden kommen, wo ich kreative Geschenke mache, die Wohnung etwas umdekoriere, Karten gestalten kann.

Der Herbst und der Winter – eine kreative Zeit, auf die ich mich schon freue.

Und dann freue ich mich auf die Projekte des Frühjahrs …

 

Übrigens habe ich gerade entdeckt, dass es die Buchhandlung in Lindau immer noch gibt:

Eva-Maria Altemöllers Buchladen in Lindau

Und kürzlich ist ein neues Buch der Autorin erschienen, „Der Club der Idealisten“.

Das werde ich mir doch glatt besorgen. Im regionalen Buchhandel.

 

Liebe Grüße an alle Inspirierten.

Ich wünsche eine kreative Zeit!

Jana Lindberg

 

 

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