Singen in einer Unterführung

Das Land der eigenen Kreativität ist manchmal wie ein weit entferntes Zauberland.

Ich musste heute wieder so viel länger in der Arbeit bleiben, einfach, weil ich mit den Aufgaben nicht fertig wurde. (Bin immer noch nicht fertig.)

Und da ist all das andere in meinem ganz normalen Leben. Zu wenig Schlaf in der Arbeitswoche. Das Auto zum Richten bringen. Arzttermine ausmachen. Einkaufen, Kochen, Essen, Spülen, Putzen, Wäsche. Ach ja. Es hört nie auf.

Heute bin ich dann nach der Arbeit noch ein paar Minuten zu einer hübschen Unterführung gelaufen. Eine Zugunterführung mit schönem Hall. Dort singe ich gerne etwas. 

Es hat mich aufgemuntert und abgelenkt. Manche Menschen gingen vorbei und sagten „schön“ oder hielten den Daumen hoch. Andere drückten sich stumm vorbei, um nicht zu stören oder nicht gestört zu werden.

 

Ich weiß, so eine Beschäftigung ist nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet.

Mancher kreative Schnipsel passt zu einer Person, aber nicht zu einer anderen. Manches ist zu spezifisch. 

Vielleicht passt es für dich gerade nicht, in einer Unterführung einen norwegischen Psalm zu singen; in einer Bahnunterführung, in der du schon als Mädchen mit deiner Schwester gesungen hast und durch die du auf dem Schulweg gegangen bist. Zu spezifisch.

Aber vielleicht ist etwas Allgemeines in dem Erlebnis. 

Zum Beispiel dieser gewisse Eigensinn, etwas zu machen, das andere komisch oder schön finden können, und warum auch nicht?

Oder die Sehnsucht, noch etwas Schönes oder Besonderes erleben zu wollen, wenn wir zu lange in der Arbeit waren oder aus anderen Gründen nicht zu unseren eigenen Interessen kamen.

Und das Hören auf die kleine kreative Stimme, die etwas erleben möchte, das nicht in Ersatzbefriedigungen wie Schokolade und Social Media besteht.

Lass uns ein kreatives Leben führen, und wenn dieses Kreative sich einfach in Kleinigkeiten ausdrückt.

Und im Gesamtgefühl: Immer wieder eine Wahl treffen, das Leben auf unsere Weise zu genießen.

 

 

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