„Ich bin dauernd müde. Was ist nur los mit mir?“ So fragen wir uns oft, wenn sich das Erholungsbedürfnis meldet. Müdigkeit hat viele Gesichter: Normal müde, erschöpft, nervös oder überreizt. Burnout oder Sehnsucht nach Winterschlaf. Was steckt hinter der Erschöpfung?
Wenn das Signal „Ich bin erschöpft“ kommt, wünschen wir uns meistens sofort unsere Energie zurück. Schließlich – wenn wir ständig das Bedürfnis haben zu ruhen und viel zu schlafen (wie ein Faultier) ist das normal?! Unser Geist sieht den Wert von Pausen nicht ein:
- Der Körper nervt mit seinen Bedürfnissen und Symptomen. Er soll einfach funktionieren.
- „Machen und tun“ ist kulturell anerkannt. Ausruhen wird als Schwäche betrachtet, als verlorene Zeit, fehlende Produktivität, Krankheitserscheinung – oder Zeichen des Alterns.
Doch was, wenn die Erschöpfung eine körperliche Weisheit beinhaltet, die es zu entschlüsseln gilt?
Erfahre, was hinter dem Faultiermodus stecken könnte und wie er dir sogar nutzt.
🦥 Faszinierende Fakten über Faultiere
Faultiere sind im Schnitt nur etwa fünf bis sechs Stunden am Tag aktiv wach. Den Rest der Zeit schlafen oder ruhen sie.
Wir Menschen machen es genau umgekehrt und wundern uns über unsere Erschöpfung!
Faultiere gelten als Inbegriff der Langsamkeit. Aber sind sie wirklich faul, wie ihr Name sagt?
Keineswegs: Faultiere sparen Energie.
- 🦥 Sie fressen wenig, verdauen langsam und halten ihre Körpertemperatur niedrig.
- 🦥 Sie bewegen sich wie in Zeitlupe, damit sie von Fressfeinden übersehen werden.
- 🦥 Ihr Nervensystem ist auf Energiesparen statt Alarm ausgelegt. Sie sind an ihre Energiebedingungen perfekt angepasst.
Sie kennen einen Zustand, der uns fast verloren gegangen ist: Wachsein ohne Getriebenheit.
(Wenn du mehr wissen willst, hier ein kleiner Film über Faultiere von der „Sendung mit der Maus“ auf YouTube.)
Erschöpfung verstehen
Erschöpfung ist heute fast schon gesellschaftliche Zeitstimmung. Es gibt so vieles, das unser Nervensystem hochfährt. Und nur wenige echte Erholungszeiten. Vieles kann uns erschöpfen:
- ⚡Gesundheitsprobleme, Zuständigkeit für andere, zu viel Arbeit, überfordernde Kontakte, hohe Ansprüche.
- ⚡Ständige Impulse durch Nachrichten und Medien, Sorgen um die Welt und andere Menschen.
- ⚡Sogar schöne Erlebnisse können uns überreizen, wenn keine Pause kommt.
Das ergibt zusammen ein gewohntes Stresslevel – und dieses Gefühl, nie nachlassen zu dürfen und nie mit den eigenen Aufgaben fertig zu werden.
Geht es dir manchmal so? Kennst du irgendetwas davon?
Dieser Artikel will dir helfen, dein inneres Faultier zu entdecken und auf eine gute Weise zu leben.
Das innere Faultier entdecken
Ich zeige dir, wie du vom Stress wirklich herunterfahren kannst, wie du dann dem Erholungsbedürfnis lange genug nachgibst und wie sich jenseits der Erschöpfung dein Stresslevel dadurch grundsätzlich ändern könnte.
Wenn du zugleich angespannt und müde bist, zugleich übermäßig angeregt und erschöpft – dann ist es zunächst eine Kunst, dich überhaupt wieder erholen zu können.
Regenerationsfähigkeit üben und auf Erholung umschalten – wie geht das? Hier vier einfache Punkte, welche Schritte zu tiefer Erholung führen können.
1. Erschöpfung und die Erlaubnis zur Erholung
Erholung beginnt mit einer Erlaubnis.
✨ Gib dir selbst die Erlaubnis zur Erholung. Gerade jetzt ist wahrscheinlich kein wirklicher Alarm, wo du tätig werden musst? Gib dir selbst frei.
✨ Freundliche Worte. Sprich freundlich zu dir und gib dir eine Botschaft, die dich emotional erreicht. Zum Beispiel: „Ich sage jetzt Ja zu meinem Erholungsbedürfnis.“ Oder „Ich erlaube dir, lieber Körper, jetzt endlich zu ruhen.“
✨ Erlaube dir, deine Energie zu schützen. Wenn dir etwas zu viel ist, sprich dich für den Moment davon frei.
✨ Es gibt ein Genug: Du musst jetzt nichts leisten. Da sein reicht. Es ist schon genug.
Das sind für die meisten von uns ungewohnte Gedanken.
2. Verstehen, was im Körper passiert, wenn der Stress nachlässt
Dem Geist hilft es zu wissen, was im Körper physiologisch passiert, wenn der Stress wirklich sinkt: Denn wenn du lange im Wachsamkeitsmodus warst, kann sich das Umschalten anstrengend oder komisch anfühlen, auch wenn es körperlich wohltuend ist.
💚 In der Erholung stellt sich dein Körper auf Verdauung und Reparatur um.
💚 Die Herzfrequenz sinkt,
💚 der Vagusnerv ist aktiviert, der Sympathikus wird gedämpft. Dein Nervensystem stellt sich um.
Dieses Loslassen kann sich subjektiv wie starke Müdigkeit anfühlen (der Geist bekommt dann Angst und fragt „Was ist los mit mir?“), ist aber ein Zeichen von Heilung. Diese intensive Müdigkeit ist kein Problem, sondern der Moment, in dem der Körper endlich wieder gehört wird.
3. Tricks benutzen – körperliche Erholung erleichtern
Aus dem Dauerstress kommend stecken wir manchmal zwischen Aktivierung und Erschöpfung fest, ohne erholsam ruhen zu können. Statt Entspannung kommt dann Unruhe und Herzklopfen. Ein blödes Gefühl!
Zum Umschalten gibt es zum Glück bewährte, wissenschaftlich fundierte Mittel, die nachweislich die parasympathische Aktivität fördern, also die körperliche Erholungsreaktion.
Folgende Hilfsmittel können deinem Körper helfen, wieder in den Erholungsmodus zu finden.
Du musst nicht alles machen – oft reicht eines. Spür einfach, was dich anspricht.
🌿 Verlängertes Ausatmen
Eine der effektivsten Möglichkeiten, den Vagusnerv zu aktivieren.
Atme 4 Sekunden ein und 6–8 Sekunden aus – ganz ohne Druck.
Schon 2–3 Minuten können den Puls spürbar senken.
(Hier findest du eine genauere Anleitung: Die 4- bis 6-Atemübung – ganz einfach auf Ruhe umschalten.)
🌿 Ein kleiner, moderater Spaziergang
Sanfte Bewegung und Tageslicht helfen dem Nervensystem, herunterzufahren.
Cortisol sinkt, die Herzfrequenz stabilisiert sich.
Besonders wohltuend wirkt Tageslicht am Morgen, weil es die innere Uhr reguliert und den Abendstress senkt.
🌿 Verspannung abschütteln
Ein paar Minuten lockeres Ausschütteln – gern zu Musik – helfen, gespeicherte Spannung loszulassen.
Der Puls steigt dabei kurz an und kann danach leichter in einen ruhigen Bereich absinken.
🌿 Seufzeratmung
Zwei kurze Atemzüge durch die Nase, dann ein langes Ausatmen durch den Mund.
Schon 3–5 Wiederholungen können Puls und innere Unruhe deutlich senken.
🌿 Wärme (oder sanfte Temperaturwechsel)
Eine warme Dusche, eine Wärmflasche, ein Bad, Sauna oder Rotlicht können das parasympathische Nervensystem aktivieren.
Manche Menschen profitieren auch von einem kurzen Kältereiz nach der Wärme.
🌿 Reize reduzieren
Wenn du nervös oder überdreht bist, hilft es oft, für ein paar Stunden alles Überreizende wegzulassen:
Bildschirme, Nachrichten, laute Geräusche, Gespräche.
Diese Umgewöhnung wirkt unscheinbar – aber nachhaltig.
🌿 Sanfte Berührung
Langsame, achtsame Berührung – etwa durch eine entspannende Körperbehandlung oder liebevolle Streicheleinheiten – kann das Nervensystem tief beruhigen.
Studien zeigen, dass solche Berührung die Anspannung messbar senkt.
Welche dieser Möglichkeiten fühlen sich für dich gerade stimmig an?
4. Winter, Rückzug und die vergessene Kunst der Regeneration
Du ruhst viel aus, bist aber immer noch müde? Du schläfst viel und fragst dich, wann die Energie wiederkommt?
Du hast die Erholungsphase eingeleitet, Zugang zu deiner Erholungsfähigkeit gewonnen. Das ist super!
Vielleicht kommt es dir untätig vor, doch in dir läuft viel ab:
🦥 Dein Körper baut Stresshormone ab, die ständig zirkulierten.
🦥 Gewebe wird repariert, Nervenbahnen regeneriert.
🦥 Die Muskeln und Faszien geben Spannung frei, die nicht mehr gebraucht wird.
🦥 Das Gehirn braucht Schlaf und Ruhe, um die Botschaft tiefer Erholung zu verarbeiten und einsinken zu lassen.
Und was ist die Botschaft tiefer Erholung?
Dass jetzt der Alarm vorbei ist. Dass du auf deine Erschöpfung hören willst. Dass du wieder mehr Sanftheit und Gemächlichkeit im Leben zulassen wirst. Dass du in Sicherheit bist.

Diese Müdigkeit ist nicht das Ende der Kraft, sondern der Moment, in dem wir aufhören, gegen unseren eigenen Rhythmus zu leben.
Dein Körper hat lange versucht, dir seine Bedürfnisse zu signalisieren. Jetzt hörst du auf ihn.
„Mein Körper arbeitet gerade auf einer Ebene, die man nicht sieht. Ich störe ihn nicht dabei.“
Lebe die Weisheit deines inneren Faultiers 🦥
Zum Glück haben wir mehr Optionen als ein Faultier.
Wir müssen uns nicht immer in Zeitlupe bewegen und so lange auf einem Baum hängen, bis unser Fell durch Algen eine grüne Tarnfarbe annimmt!
Wir können auch mal schnell sein. Und wir können viele verschiedene Dinge tun. Die Fähigkeit, zwischen echter Erholung und Aktivität zu wechseln, ist kostbar.
Doch gerade im Winter, oder nach einer anstrengenden Zeit oder einem fordernden Jahr, ist es ideal, die Erschöpfung ernstzunehmen, dem Ruheimpuls bereitwillig nachzugeben und auf unser inneres Faultier zu hören, bis unsere Erholungstanks wieder aufgefüllt sind.
Wie ist das bei dir? Was hilft dir beim Umschalten in den Faultiermodus?
Was erholt dich? Was hilft dir, dich wirklich zu entspannen? Welche Arten der Ruhe tanken dich auf?
Zum Beispiel:
- Schlafen
- Siesta
- Trance oder Entspannung hören
- Meditation
- Sanfte Tiefenatmung
- Herumliegen
- Musik hören
- Massage
- Streicheleinheiten
- Baden, duschen, kalt/warm-Unterschied
- Thermentag, Sauna
- Waldspaziergang
- Ausruhen nach einem Spaziergang
- Leisen Naturgeräuschen lauschen
- …
Der Faultiermodus: Wirkliche Regeneration 😴
Jedes Mal, wenn dein Körper auf „Faultiermodus“ schaltet, ist das kein Problem, sondern dein Versuch, zu einem natürlicheren Rhythmus zurückzufinden. Zu einem Zustand, in dem Regeneration nicht etwas ist, das man sich erst verdienen muss, sondern etwas, das selbstverständlich dazugehört.
Der Körper ist oft kooperativ: Oft meldet er sich an Wochenenden oder im Urlaub. Eben dann, wenn Zeit ist, einmal herunterzufahren. Ist das nicht sehr umsichtig vom Organismus? 🤔
Mit dem Körper zu kooperieren hilft uns, neue Ebenen von Erholung zu entdecken. Und mehr eins mit dem Körper zu werden.
Wir könnten das „Faultierkompetenz“ nennen. 😊
Was nach der Erschöpfung kommt
Und was würde passieren, wenn du dem Ruhewunsch so nachgibst und dich eine Weile wirklich tief erholst?
Es kann mehrere Phasen geben, die jeweils mehrere Wochen dauern können.
- Phase 1: 😴 Tiefe Erholung, Entladung und Umschalten. Je nach deinem Energielevel und deinem Nachholbedarf kann es schon 1-2 Wochen brauchen, wo du dich hauptsächlich erholst und dabei übst, den bekannten Alarmbutton beiseitezulassen.
Gefühl: Müde, Faultier. Wenig Druck, wenig Drive. „Liebe Antreiber – bitte gebt mir einmal Ruhe. Ich erhole mich jetzt. Alles ist okay.“ Das Nervensystem lernt: Es ist sicher, loszulassen. - Phase 2: 🧩 Integration und Neuordnung. Das ist nicht die Zeit, wieder loszupushen! Sondern eine Stabilisierung der Erfahrung, noch ohne die alte Belastbarkeit.
Die Energie kommt in Wellen, du dosierst soziale Kontakte und ruhst danach wieder aus. Bedürfnis nach Sinn statt nach Leistung. Dein Körper vertieft die Erfahrung, dass ein entspannteres Leben möglich ist. Faszien und Nervensystem passen sich an eine geringere Grundspannung an. Das Gehirn versteht: „Ich muss nicht dauernd leisten.“ - Phase 3: 🌳 Stabilität mit neuer Qualität. Du merkst, das ist nicht die alte Leistungsenergie, sondern eine stimmigere Kraft, die aus der neu gewonnenen Ruhe kommt.
Nach Anstrengung beruhigst du dich schneller wieder. Ruhe ist für dich ein normaler Zustand, den du dir erlaubst. Dein Schlaf kann tiefer werden und die Erholung länger anhalten.
Wie ich im vorigen Artikel Zeitlosigkeit – auf der Suche nach tiefer Ruhe schrieb, ist eine neue, ruhige Stabilität meine Sehnsucht, der ich während der Weihnachtszeit so gut wie möglich nachgehen werde.
💌 Deine Einladung an dein inneres Faultier?
Und was nimmst du dir aus diesem Artikel mit? Erkennst du Aspekte davon bei dir wieder?
Möchtest und kannst du dir tiefe Erholung erlauben? Wann könntest du diese Zeit ermöglichen und dem Erholungswunsch nachgeben? Oder tust du es schon?
Für welche Aspekte deines Lebens wünschst du dir solide innere Ruhe oder mehr Entspannung, Gelassenheit, tiefes Ankommen?
Und welche Elemente zum Umschalten auf Entspannung möchtest du mehr nutzen?
Ich wünsche dir eine gute, erholsame, erfüllende Zeit und alles Gute.
Deine Jana
![]()
Weitere Artikel zu Ruhe
- Zeitlosigkeit – auf der Suche nach tiefer Ruhe
- Zeitlose Momente: Einfach mal gar nichts tun
- Erholung gehört zum Leben – Lebe das Yin
Artikel zu Weihachten und Raunächten
- Freundlichkeit – die innere Qualität der Geborgenheit
- Geborgenheit in sich selbst finden
- Winterzeit, Traumzeit. Träume durch die Dämmerung
Ich liebe grade das Nicht-Leisten und finde deine Erlaubnisse und Betrachtungen dazu sehr hilfreich. Und der Begriff „Faultiermodus“ trifft es so prima.
Liebe Grane, das freut mich sehr, wenn der Artikel wohltuend wirkt. Manchmal ist eine Erlaubnis für das, was gerade dran ist, das Einzige, was frau braucht. 🦥