Wachsen und gedeihen [Gedicht]

Ich habe heute Zeit für mich und schreibe Morgenzeilen. Vormittag, Frühling, Wochenende. Das Spüren und das Nachdenken sind mir notwendig und kostbar. Nachsinnen, wie es mir geht, was war und ist. Gedanken kommen lassen und ihnen zuhören, ihnen Raum geben. Meine Wahrnehmung fließt heute als erstes in poetischer Form in die Sprache. Das entstandene Gedicht möchte ich mit dir teilen.

Wie es mir geht: Immer wieder habe ich mit Schmerzen zu tun. In einem Feldenkraisbuch las ich, dass wir uns nicht um eine „gerade Haltung“ bemühen sollten, weil das nur Spannung erzeugt. Wir könnten für einen Moment dem Zug nach unten nachgeben. Und dem Körper die Freiheit geben, aus eigenem Impuls den Weg nach oben zu suchen. Eine gerade Haltung sei ein dynamischer Prozess, ein ständiges Dazulernen ohne strikte Vorgaben.

Was los ist: Dieser April und Mai sind ungewöhnlich kalt. Ein Polarwirbel habe sich gelöst, höre ich, und schwebt über uns. Wer weiß, was danach für ein Wetter kommt. Vielleicht beziehen wir es dann aus der Sahara? Ich nehme es, wie es ist. Für die Pflanzen ist es gut. Nur der Sturm kann ihnen natürlich zu schaffen machen. In der Welt ist viel los, doch jetzt bin ich nur bei mir.

Vormittag, Frühling, Wochenende. Ich habe Zeit. Ich schreibe ein Gedicht.

 

Wachsen und gedeihen

Guten Morgen, trüber kalter Regentag

Guten Morgen, zwitschernde Vögel

Guten Morgen, knospendes treibendes Grün des Mai

 

Ich will mich hingeben

Der Trübnis und Kühle

Meiner Müdigkeit und Schwere

 

Der Stille in meiner Zeit allein

Und ebenso der Lebendigkeit um mich

 

Ankommen, indem ich nachgebe

Indem ich nach unten sinke

Die Kraft zur Aufrichtung wird mir dann zuwachsen

Der Impuls wieder nach oben kommt von selbst

 

 

Knospen und sprießen ohne Anstrengung

Die Natur macht es mir vor

 

Absinken im Vertrauen auf den Lebensimpuls

Zuversicht in der Müdigkeit und in der Schwere

Wachsen

Gedeihen

Aus mir selbst heraus

 

P.S.: Gerade habe ich gemerkt, dass das mein 100. Artikel ist. Ein kleines Jubiläum. 🙂

 

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2 Replies to “Wachsen und gedeihen [Gedicht]”

  1. Und darauf vertrauen, dass die Knospen schon kommen. Das machen sie immer. Ich muss nur hinsehen/-spüren.
    Ein feines Gedicht.

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