Stressmanagement: Nimm dir nicht zu viel vor

„Nimm dir nicht zu viel vor“, das heißt eigentlich: Mach es nicht wie ich!

Mach deine Liste nicht zu lang.

 

Wir sagen, wir schaffen nicht alles, weil wir zu wenig Zeit haben.

Aber ess ist nicht nur eine Frage der vorhandenen Stunden oder Tage:

Auch mehr Zeit können wir locker überfrachten.

 

Die mega-lange Liste

Beispiel: Ich habe freitags frei.

 

Und dann mache ich mir eine Liste, was ich an dem Tag gerne tun würde. So wie:

  • Schreibprojekte, darunter bloggen
  • Aktuelle Kreativprojekte mit Termin vorbereiten, heute das Treffen mit meiner Kreativgruppe
  • Musik üben und weitere kleine Portionen von Schönem
  • Erhaltungsarbeit zuhause
  • Erholung, Pflege der Gesundheit, um in Balance zu bleiben
  • Wichtige Beziehungen pflegen, Kontakt halten (telefonieren, Karte schreiben, liebe Menschen treffen) …

Ganz ehrlich: Meine Freitagsliste von Wünschen sieht immer so aus, dass ich davon dann bis Sonntagabend etwa 80 Prozent geschafft haben kann!

Kennst du das?

 

Es ist ein Jonglieren mit verschiedenen Lebensbereichen, die alle gleich wichtig sind.

Und die alle mehrere Bälle haben, große und kleine.

 

Gnädig mit sich sein

Mit diesem Umstand, dass es zu viel ist und ich nie all das schaffen kann, was ich mir selbst vornehme und andere von mir wollen –

mit dem gehe ich inzwischen recht flexibel um.

 

Ja, erst mache ich diese lange Wunschliste.

Und dann bin ich gnädig mit mir, wenn

  1. es nicht möglich ist, alles zu tun,
  2. es mir etwas ausmacht, dass nicht alles geht,
  3. das zu Viele mir Spannung verursacht.

Das fällt im weitesten Sinne unter Selbstmitgefühl oder Selbstannahme. Eine zentral wichtige Achtsamkeitsmethode.

 

Vielleicht ist es ein Stück weit normal, zu viel zu wollen?

„Ich will alles, und zwar sofort!“

Leider geht das eben nicht.

Und es verursacht Nackenverspannung.

Ich schlage vor, noch einmal genauer hinzusehen, was da los ist.

 

Auf sich selbst aufpassen

Da ist dieser Teil, der alles sofort will.

Ein kreatives Wesen mit vielen Ideen und Assoziationen. Manchmal meine ich: ein ewig junges Wesen.

Doch da ist auch der fürsorgliche, gewissenhafte Teil, der allen immer gerecht werden will. Auf jeden Zuruf reagieren. Es recht machen.

Auf jeden Fall braucht es meinen bewussten, erwachsenen Schutz:

 

Dieses Wesen benötigt Beruhigung und Leitung:

„Ja, mein liebes inneres Kind. Ich weiß, dass du alles sofort willst.

Ich passe auf dich auf. Du kannst dich auf mich verlassen.

Ich bremse dich auch etwas herunter, damit dir nicht alles zu viel wird.“

 

 

Es ist gut zu bemerken: „Heute habe ich ganz schön viel auf dem Plan. Ich muss nochmal nachspüren, denn so ist es eindeutig nicht nur viel, sondern zu viel.“

Das zu spüren ist schon ein wertvoller Schritt.

Denn ich kann nun sanft darauf einwirken. Ich kann mir sagen:

 

Nimm dir nicht zu viel vor

Ja, ich tue das, ich nehme mir zu viel vor. Das ist okay.

Es ist nichts Schuldhaftes.

Ich merke es, und dann bremse ich mich wieder herunter.

 

Ich sage mir: „Nimm dir nicht zu viel vor.

Immer wieder einen Gang runterschalten.

Überleg noch mal.

Bleib flexibel. Schau, was wirklich geht.“

 

Denn hinter dieser Liste (egal ob sie schriftlich ist oder nur im Kopf) steht ein geheimer Druck:

Der Druck dessen, dass es eigentlich nie reichen kann.

 

Nie genug? Die heimlich nachbefüllte Liste

So, wie es jetzt ist, ist es mangelhaft?

Ich bin so, wie ich jetzt bin, noch nicht genug?

Ich müsste noch anders sein?

 

Und das Fazit ist irgendwie immer: Das, was ich getan habe, reicht noch nicht.

Ich müsste noch A, B und C tun, dann wäre es genug?

Nur dann könnte ich zufrieden sein?

Vielleicht auch: Das Wetter müsste stimmen? Die Umstände müssten passen?

 

Das entspricht der Formel:

„ICH plus X = glücklich.“

Nur, wenn X eintritt, könnte ich glücklich sein.

Vorher nicht.

 

Eine Perspektive des Mangels.

Denn diese Stelle X wird ständig nachbefüllt aus einer unendlich langen Liste!

Irgendeine Anforderung kann jederzeit den leergewordenen Platz X einnehmen.

 

Mit dieser Denkweise ist es nie genug.

Nie, niemals genug.

Stressig.

 

Genug schon jetzt

Deshalb machen wir ein Gedankenexperiment. Wir behaupten:

Jetzt ist es schon genug.

Genau jetzt.

 

Wie fühlt sich der Gedanke an?

Wir müssen uns nicht beeilen.

Kreativität ist ein Prozess. Leben ist ein Prozess.

Leben ist schon jetzt vollständig.

 

 

Ungewohnt, nicht?

Aber schön.

 

Einfach erstmal in diesem Tag ankommen

Im eigenen Körper ankommen, so wie er jetzt ist.

In den eigenen Gefühlen und Gedanken.

Jetzt.

 

Ein bisschen nachgeben.

Die Wahrnehmung umstellen von den Ereignissen und Vorhaben

auf die Zeit, die wir verleben.

Die Zeit ist da.

Jetzt.

 

Dazu noch ein Gedicht.

 

Hab einen schönen Tag!

Deine Jana

P.S.: Danke meiner Partnerin für das Foto vom Bodensee.

Die Skizzen sind meinen Ideenbüchern entnommen, wo ich mir Denkprozesse auf diese Weise illustriere.

 

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Weiterlesen

Folgende Artikel auf der Queste passen gut zum Thema:

 

Und von Anna auf Passionflow ihr aktueller Blog-Artikel: Im Winter ausruhen. Da fand ich schöne Gedanken dazu, dass nichts zu machen manchmal (zum Beispiel saisonal) das Allerbeste sein kann.

2 Replies to “Stressmanagement: Nimm dir nicht zu viel vor”

  1. Ja liebe Jana,

    auch meine Liste war (ist) viel zu lang.

    Doch ich lerne immer mehr, mich zu minimieren. Mir hat hier auch die Erkenntnis geholfen, dass je länger die Liste ist, umso weniger wirklich geschehen darf. Und dass ein einfaches Leben, das glücklichste Leben ist.

    Was habe ich „Erfolgsratgeber“ in mich hineingeschlungen. Und gleichzeitig gefühlt, dass da irgend etwas nicht stimmt.

    Endlich pfeife ich auf Erfolg. Welche Erleichterung.

    Und trotzdem ist da auch dieses Streben in mir. Dieses, seinem Sein einen immer noch größeren Ausdruck zu geben. Und gerade durch die Minimierung gelingt mir auch dies immer besser.

    Der Druck ist weg. Ich will nie damit Erfolg haben. Ich habe wenig materielle Wünsche, so muss ich auch nicht viel Geld verdienen. So habe ich auch mehr Zeit.

    Und der größte Ausdruck meines Seins, ist sowieso die Art und Weise wie ich meine Tätigkeiten verrichte, wie ich mit meinen Mitmenschen in Verbindung trete.

    Dies zu wissen, kürzt allein schon meine Liste erheblich.

    Letztendlich ist es doch so wie mit dem berühmten Krug des Professors. Ihn mit den wesentlichen, großen Steinen zuerst befüllen, dann bleibt immer noch genug Platz für all die Nebensächlichkeiten, und sogar noch für eine gute Flasche Wein.

    In meinem Leben sind die großen Steine: Die Begegnung, Die Musik, die Natur, das kreative Schaffen, und Zeit für und mit Gott.

    Und der Wein ist die Liebe. Wenn die großen wie die kleinen Steine von ihr durchflutet sind, dann gelingt mein Leben. Dann ist es gut.

    Liebe Jana, mir gefällt Dein Blog sehr gut Ich wünsche Dir alles Gute und immer einen Grund zum Lächeln.

    http://www.martls-welt.de

    1. Lieber Martin,

      vielen lieben Dank für Deinen schönen Kommentar! Du sprichst Punkte an, die viele beschäftigen: Was ist der wichtigste Ausdruck des Seins im Leben? Wie kann ich das mir Wichtige im Leben drin haben, und was müsste ich dazu minimieren? Bestimmte Erfolgsvorstellungen dazu loszulassen, das ist wohl wie Abwerfen von Ballast und mit dem Ballon durchstarten.

      Ich glaube, bestimmte Altersstufen (mittlere Jahre, höheres Alter) bringen diese Fragen oft mit sich. Aber im Moment sehe ich, dass auch viele junge Leute sich diese Fragen schon vermehrt stellen und keine Lust mehr zum Funktionieren haben, dass sie etwas Sinnvolles tun wollen und ein Leben führen, das wirklich nährend ist. Vielversprechend.

      Schöne große Steine hast du da in deinem Krug. 🙂
      Danke für die guten Wünsche, und auch Dir viel Freude auf den Weg.
      Deine Jana

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