„Sammeln Sie Freudepunkte?“ Wie du dir Glück erlauben kannst

Eigentlich fühlen wir uns gerne glücklich.

Uneigentlich sind wir im Alltag oft missgelaunt. Das kann vorkommen, doch wenn es zu häufig ist, legt sich eine graue Decke über alles.

Schon klar, wir können nicht die ganze Zeit auf Wolke 7 schweben. Gefühle kommen und gehen, positive wie negative. Doch auch wenn es zum Leben gehört, dass die Stimmung sich ständig ändert:

Ohne Wohlbefinden können wir auf Dauer nicht sein.

 

Freudepunkte sind Wohlfühlvitamine für unser Gemüt.

Ein ausgeglichener Freudehaushalt hält uns als Gesamtwesen gesund.

Daher die Frage: Wie können wir eigenaktiv Freude in unser Leben bringen? Wie können wir uns Glück erlauben und den Freudefaktor etwas erhöhen?

 

Dazu ein interessantes Fakt. Psychologische Experimente zeigten: Schon ein oder zwei Tage ganz ohne Glückspunkte – nur mit Erledigungen – lösten ganz erhebliches Unwohlsein aus! Ähnlich Angst oder Depression.

Fehlende Freude macht uns schnell seelisch krank. Daraus leite ich ab die
Erkenntnis Nummer 1: Wir brauchen Freude im Leben.

 

Es wird nicht unbedingt von allen Seiten gefördert, das muss ich zugeben. Supermarkt und Online-Shop belohnen uns zum Beispiel fürs Einkaufen. „Du kaufst meine Waren, gibst mir dein Geld, und ich gebe dir Punkte als Belohnung, damit du noch mehr kaufst …“ Ein schnelles kurzes Wohlgefühl ist die Gegengabe.

 

Wer belohnt uns aber dafür, wenn wir uns freuen?

Wir selbst können uns für Glück und Freude belohnen.

 

Was ist Glück? Was ist Freude?

Musst du denn immerzu gut gelaunt sein?
Keinesfalls. Stimmung wechselt ständig.

Musst du dauernd grinsen oder lachen?
Nun ja, etwas mehr lachen wäre schon schön! 🙂

Doch dazu kommen noch viele andere Arten von Freude.

 

Denn so wie die Eskimos über 100 verschiedene Wörter für Schnee haben, gibt es auch über 100 verschiedene Arten froh zu sein.

Manchmal sind herzhaftes Lachen und gemeinsames Blödeln genau das Richtige.

Manchmal kann Freude still und warm sein.

Es gibt extravertierte und introvertierte Formen der Freude.

Hier eine Liste mit Formen der Freude:

  • Behagen
  • Genuss
  • Spaß
  • Glück
  • Begeisterung
  • Berührtheit
  • Freude
  • Lachen
  • Faszination
  • Flow
  • Frohsinn
  • Sambafeeling
  • Partystimmung
  • Innere Wärme
  • Genugtuung
  • Zufriedenheit

Welche fallen dir noch ein? ____________________

 

Vielleicht ist Glück aber gar immer nicht benennbar. Hauptsache, wir erleben welches. Welcher Art auch immer.

Erkenntnis Nummer 2: Die Arten der Freude sind mannigfaltig.

 

Freudepunkte – Joy Points

Wie kommen nun Freudepunkte zustande?

Werden wir kurz wissenschaftlich: Die US-amerikanische Gesundheitspsychologin Laurel Mellin hat ein sehr wirksames System emotionaler Kompetenz aufgebaut, das die Gesundheit nachweislich verbessert. Es wurde in den USA sogar in das öffentliche Gesundheitssystem übernommen (es heißt EBT – Emotional Brain Training, hier ihre Webseite), weil es so gute Wirknachweise hat, und geringe Kosten.

Aus Laurel Mellins Emotionalen Gehirntraining picke ich uns einen Aspekt heraus: Joy Points – Freudepunkte. Mit ihnen können wir unseren Stress mindern und das Wohlbefinden erhöhen.

Joy Points sind alle kleinen Dinge, die uns individuell froh machen. Von der Tasse Kaffee über die fünf Minuten Fußweg an einem schönen Park vorbei bis zur geplanten Abendaktivität.

 

Auch winzige Pünktchen zählen.

Wir können zum Beispiel:

  1. Etwas anstreben, das uns froh macht – ein konkreter nächster Schritt
  2. Genuss haben an dem, was wir gerade erleben – der erlebte Moment
  3. Etwas haben, auf das wir uns freuen können – Vorfreude auf die Zukunft.

Und wer für mehr Glücksgefühle sorgen kann, sind vor allem wir selbst. Andere können uns natürlich dabei unterstützen. (Und wir die anderen.)

Nicht das totale Glück, nicht die vollständige große Lösung.

Sondern immer der nächste Joy Point, der nächstmögliche Freudepunkt.

Erkenntnis Nummer 3: Es sind die kleinen Freudepunkte, die unser Leben verbessern und uns gesund halten.

 

Mit Freudepunkten schwierige Zeiten abpuffern

Sicher ist eines: Wir brauchen Freudepunkte immer.

Immer.

Gerade dann, wenn es hart hergeht. Weil es uns wieder ins Lot bringt, uns Kraft gibt.

Manchmal tun wir es. Wir sorgen für Freudepunkte.
Doch manchmal kommt es uns ganz abhanden.

Ein eigenes Beispiel: Nach Ende meines Studiums fiel ich in ein tiefes Loch. Ich wusste nicht, wo es langgehen würde. Ich jobbte. Hatte miese Stimmungstiefs. Verlor mein Selbstwertgefühl.

 

Da habe ich wirklich Freudepunkte geklebt. Und zwar in meinen Kalender:

  • Gelbe Punkte für etwas, das mir Spaß machte
  • Grüne Punkte, wenn ich etwas für meine Gesundheit getan hatte
  • Rote Punkte für alles, was mit Gemeinschaft zu tun hatte
  • Blaue Punkte für Kompetenz-Erleben, etwas, worauf ich stolz war.

Mit den Punkten wurde das Gute in meinem Leben sichtbar. Und es war attraktiv, mehr Punkte zu kleben. Freudepunkte anzuhäufen. Dadurch wurde meine Gemütslage deutlich besser. So etwas kann manchmal nötig sein, um wieder auf das richtige Gleis zu kommen.

 

Es gibt viele Arten, uns Freude bewusster zu machen

  • Heute schreibe ich schöne Sachen, die ich gemacht oder erlebt habe, oft nach einem Farbcode in den Wochenkalender. (Mir macht sowas Spaß. Es liegt mir. Und sieht hübsch aus.)
  • Eine Weile habe ich abends regelmäßig Erfolgstagebuch geführt: Fünf Punkte notiert, die an dem Tag gut gelaufen sind. Das ist sehr ermutigend und baut Selbstvetrauen auf.
  • Manche empfehlen, morgens aufzulisten oder darüber zu meditieren, wofür wir dankbar sind, weil wir dann ganz anders in den Tag starten.
  • Andere plädieren dafür, am Abend vor dem Schlafen die schönen Erlebnisse des Tages vor dem geistigen Auge Revue passieren zu lassen.

Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten. Es sollte eben in dein Leben hineinpassen. Egal wie:

Erkenntnis Nummer 4: Freude sichtbar und fühlbar zu machen, verstärkt sie.

 

So eine Praxis kann – kurmäßig angewandt – besonders helfen, wenn du eingetrübt bist und wieder stabil werden willst! Dann gönn dir das, einfach mal für ein paar Wochen.

 

Wer verbietet uns eigentlich Glück?

Aber warum ist es überhaupt so schwierig, uns unseres Lebens zu freuen?

Wo wir als Menschen doch von unserer Natur aus nach Wohlbefinden und Glück strebende Wesen sind?

Verschiedene Gründe, die es schwierig machen glücklich zu sein, sind:

  • Stimmungstiefs: Es ist normal, immer wieder mal ein Stimmungstief zu haben. Wir kommen ja auch wieder heraus. Kein Problem soweit! Gefühle werden sich das ganze Leben hindurch ständig verändern, das können wir gar nicht vermeiden.
  • Biologisch gesehen: Unser Gehirn neigt noch aus den Steinzeitbedingungen zum Wahrnehmen des Negativen, wie ich hier näher beschrieben habe: Glückshormone tanken: So überwindest du den Winterblues.
  • Stil: Mir scheint, Stress und miesepetrige Laune – verbunden mit Sorgen – sind ein gewisser Stil, der sich zu Unrecht ausgebreitet hat. (Ich lebe in Deutschland…) Wer zu froh ist, hat vielleicht zu wenig Arbeit?! Den Ernst der Lage nicht begriffen? Zu viel Zeit?
    Es gehört viel Autonomie dazu, sich von diesem Denken immer wieder, immer wieder frei zu machen und den Schalter zurückzulegen auf Ausgeglichenheit, Balance, Flow, Freude.
  • Kulturell sind wir im Westen geprägt von einer gewissen Anti-Freude-Haltung. Die puritanische Arbeitsethik hat unsere westlichen Länder stark beeinflusst. Bei den Puritanern waren selbst Musik, Tanz, Lachen und bunte Kleidung verpönt. Schon eine bunte Schleife am Kleid erntete scharfe Kritik in der Gruppe. Arbeit und Leistung schienen immer wichtiger als Wohlbefinden und Genuss. Kein durchgängig hilfreiches Erbe…
  • In unserer jetzigen Konsumkultur wird Sich-Freuen mit Etwas-Kaufen verknüpft. Wir dürfen uns gerne freuen, und zwar, wenn wir diese und jene Produkte erwerben. Es ist erlaubt mit einer Bedingung. (Und wird sehr intensiv beworben. Auch da brauchen wir Autonomie.)

Erkenntnis Nummer 5: Glück muss erlaubt sein. Wir selbst können es uns erlauben. Ohne Bedingungen. Nur für uns.

 

Wie können wir uns Glück erlauben?

Daher die Frage: Wie können wir uns vor diesem Hintergrund selbst Glück erlauben?

Gibt es da vielleicht ein bisschen Rückenstärkung von anderer Seite?

Erkenntnisse, die für Freude sprechen?

Beispiele, die uns ermutigen können?

 

Jede Menge! Es gibt zahllose Hinweise und Belege dafür: Wohlbefinden stärkt unseren Körper und unsere Seele, verbessert unser Immunsystem und unsere Gesundheit, macht uns klüger und verbundener.

Hier drei Beispiele.

 

Beispiel Nummer 1: Die Aktivistin

Eine Menschenrechtsaktivistin, mit der ich mich in Online-Kursen befreundet habe, war vor gut fünfzehn Jahren mit einer Krebsdiagnose konfrontiert.

Sie kannte sich gesundheitlich aus, für sie war klar, was sie zu tun hatte: Stress runter, Freude rauf. Die Endorphinlage im Körper radikal ändern Richtung Glücksgefühle. Und das hat sie seither so beibehalten.

Es ging gut, sie hat die Krankheit überstanden und ist gesund mit den nächsten Projekten unterwegs. Wenn sie in Imbalance kommt, kümmert sie sich wieder verstärkt um ihren Freude-Haushalt.

Zu ihrer Arbeit gehörte auch immer, ihrerseits schwerkranke Menschen zu beraten. Ihnen empfiehlt sie:

„Schau dir an, was du richtig gerne tust. Vielleicht das, was du als Kind geliebt hast. Und plane es für 30 Minuten täglich im Kalender ein. Wenn du Pferde liebst, reite. Wenn du nicht reiten kannst, besuche Pferde. Wenn du keine Pferde besuchen kannst, sieh dir Pferdebildbände und Filme mit Pferden an. Was auch immer du sonst um die Ohren hast, tu das, was du liebst.“

 

Beispiel Nummer 2: Die Kur

Ich habe in den vergangenen Jahren oft beobachtet, welchen Nutzen eine „Kur“ (also Rehamaßnahme oder auch ein Klinikaufenthalt) für den Freudehaushalt haben kann: Sie bringt das Bewusstsein, was es alles gibt, das uns gut tut.

In einer Kur oder psychosomatischen Klinik werden Menschen oft mit einem ganzen Katalog von Dingen in Kontakt gebracht, die ihr Wohlbefinden erhöhen und ihnen Freude machen könnten. Viele Leute behalten dann etwas davon bei und bauen es in den Alltag ein: Die Entspannungsmethode, mehr Bewegung, neue Formen von Sport.

Gerade auch die kreativen Angebote wie Töpfern, Malen, Musik sind wichtig, um sich wieder an das Andere im Leben zu erinnern, nicht nur ans Funktionieren.

Zum Glück können wir daraus lernen und diese Dinge aktiv in unser Leben holen. (Und wir können das zum Glück dann in einem schonenderen Stundenplan tun als in der Kurklinik.)

 

Erkenntnis Nummer 6: Es ist klug, von dem zu lernen, was in Lebenskrisen wirksam ist. Stress runter, Freude rauf. Tu, was du liebst. Tu, was dir gut tut.

 

Beispiel Nummer 3: Zehn Minuten Bewegung

All diese Sachen sind natürlich schön. Wenn wir die Zeit dazu hätten.

Nehmen wir daher das Beispiel Bewegung: Sie tut gut. Aber wie viel Bewegung brauche ich, damit sie etwas bewirkt?

Student*innen wurden auf ein Trainingsgerät gesetzt und vorher und nachher nach ihrem Befinden gefragt.

Ergebnis: Schon zehn Minuten Ergometertraining täglich hatten die Wirkung wie ein leichtes Antidepressivum!

Zehn Minuten! Ist das gut?

 

Wir sollten uns nicht unnötig Hürden aufbauen. So wie „Wenn ich Zeit habe, werde ich mich gaaanz viel bewegen“ oder „Ich sollte wirklich mal wieder malen, aber dafür brauche ich auf jeden Fall zwei Stunden Zeit“.

Für kleine Freudepunkte ist in jedem Leben Platz.

Es muss ja nicht das Ergometer sein. So, wie es 100 Arten von Freude gibt, gibt es auch über 100 Arten von Bewegung …

Schon zehn Minuten zählen.

Schon fünf Minuten zählen.

Weil sie wirken.

Erkenntnis Nummer 7: Schon eine winzige Einheit Freude wirkt!

 

Übung: Beginne deine Glückskur mit einer Wohlbefindensliste

Jetzt zu deiner Aktivität, um konkret Nutzen aus diesem Artikel zu ziehen:

Überlege dir spontan aus dem Moment heraus eine kleine Liste von Dingen, die dir Freude machen, die dir gut tun und deine Stimmung verbessern.

Du kannst mit fünf bis zehn Punkten anfangen und sie nach und nach ergänzen.

Es macht schon viel Freude, so eine Liste zusammenzustellen. Wenn du sie aufschreibst, kannst du in schwachen Momenten darauf zurückgreifen und dich inspirieren lassen.

 

Hier eine Beispielliste

  1. An die frische Luft gehen und spazieren
  2. Frühere Lieblingslieder anhören und mitwippen
  3. Qigong-Übungen machen
  4. Ein Jugendbuch wieder lesen
  5. Ein bisschen tanzen
  6. Liebe Menschen mit einem Besuch oder Anruf erfreuen
  7. Behagliche Teezeit
  8. Aus dem Fenster die Schönheit der Jahreszeit sehen
  9. Eine fremde Sprache lernen
  10. Einen Film ansehen
  11. Einen Kaffee in der Bäckerei genießen
  12. Etwas zeichnen oder malen
  13. Ein Musikvideo ansehen
  14. Einen Roman oder ein Sachbuch lesen
  15. Eine Kerze anzünden
  16. Schöne Musik auflegen
  17. Eine Pause machen
  18. Mich auspowern mit Bewegung
  19. Leckeres Essen mit Tischdecke
  20. Ein bisschen schreiben.

 

Und jetzt du: Schreib deine eigene kleine Liste

Denke kurz nach; und wenn du Zeit und ein Papier, Handy oder Notizbuch zur Hand hast, mach dir eine Notiz:

Wie sieht deine Liste aus?

  1.  
  2.  
  3.   …

Mache zu allernächster Gelegenheit etwas davon.

Führe diese Sache für wenigstens fünf Minuten aus.

Und dann spürst du, was sich geändert hat.

 

Das ist dein kleiner Glückskompass im Alltag.

Und so sammelst du Freudepunkte.

Ganz eigenständig, selbstfürsorglich für dich.

Erkenntnis Nummer 8: Du kannst jederzeit Wohlbefinden anstreben, indem du etwas tust, das dir Freude macht. Eine Liste hilft dabei.

 

Glück erlauben: 8 Erkenntnisse

Hier noch einmal als Zusammenfassung die 8 Erkenntnisse aus diesem Artikel:

  1. Wir brauchen Freude im Leben.
  2. Die Arten der Freude sind mannigfaltig.
  3. Es sind die kleinen Freudepunkte, die unser Leben verbessern und uns gesund halten.
  4. Freude sichtbar und fühlbar zu machen, verstärkt sie.
  5. Glück muss erlaubt sein. Wir selbst können es uns erlauben. Ohne Bedingungen. Nur für uns.
  6. Es ist klug, von dem zu lernen, was in Lebenskrisen wirksam ist. Stress runter, Freude rauf. Tu, was du liebst. Tu, was dir gut tut.
  7. Schon eine winzige Einheit Freude wirkt!
  8. Du kannst jederzeit Wohlbefinden anstreben, indem du etwas tust, das dir Freude macht. Eine Liste hilft dabei.

 

Und wie wirst du nun weitermachen?

Was aus diesem Artikel spricht dich im Moment am stärksten an? Was bewegt dich oder bringt einen Impuls, dem du nachgehen möchtest? Deine Gedanken interessieren mich, hinterlass mir gerne einen Kommentar!

Herzliche Grüße,

deine Jana Lindberg

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