Glückshormone tanken: So überwindest du den Winterblues

Stimmungstiefs machen uns zu schaffen. Manchmal chronisch. Und es gibt einen Grund, warum wir sie leicht kriegen. Und wieso sie sich festhängen können. Doch gleich vorab: Es gibt einen Weg hinaus. Du kannst selbsttätig Glückshormone tanken!

Kennst du diese Launeeinbrüche oder den Trübsinn? Wir nennen es vielleicht „Stress“ oder „Frust“ oder „schlechte Laune“, aber dahinter kann ein echtes Stimmungstief stecken. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Ein typischer Grund: Der Winterblues.

 

Winterblues

Gerade mitten in der dunklen Zeit ist es manchmal der klassische Winterblues, der uns eintrübt. Wenn es morgens grau, grau, grau bleibt und der Tag gar nicht beginnen will.

Dass doch irgendwelches Licht da war, merken wir erst, wenn es um vier schon dämmert und viel zu früh die Nacht beginnt … Relativ viele Menschen sind für den Winterblues anfällig.

Gerade, wenn wir kaum Zeit draußen verbringen können, um doch ein paar Photonen aufzuschnappen, setzt uns der Lichtmangel zu.

Da kann ein Fünfuhrtee mit Kerze und Düften oder Würzgebäck helfen, sich positiv auf die Dunkelheit einzustellen, und das Gehirn bewegen, Serotonin auszuschütten. Ein eigenes Übergangsritual, das es leichter macht und das für uns wirkt.

Und was hilft uns noch?

 

Was hilft gegen den Winterblues?

  • Manche empfehlen, in der dunklen Jahreshälfte Vitamin D einzunehmen, das für viele Vorgänge im Körper wichtig ist und ohne Sonneneinstrahlung zu wenig gebildet werden kann. Frag dazu am besten deine Ärztin oder den Apotheker.
  • Sehr viele Aroma-Öle sind stimmungsaufhellend. Mit einem Trägeröl verdünnt auf die Haut gerieben oder ein Tropfen auf einen Aromastein auf der Heizung geben, oder in eine Duftlampe. Welche Öle wirken? Klassisch sind alle Zitrusdüfte wie Orange und Bergamotte, weiter Blütendüfte wie Jasmin, Geranie, Rose und Lavendel oder Ylang Ylang. Doch auch Hölzer wie Sandelholz wirken, oder die klassische erfrischende Melisse nebst der Verbene (Eisenkraut).
  • Wenn möglich, sich wenigstens für kurze Zeit dem Tageslicht aussetzen. Schon ein Viertelstündchen hilft.
  • Eine Tageslichtleuchte hilft anerkanntermaßen gegen Winterdepression. Ich mag auf meine nicht verzichten, ich habe sie zu jedem Frühstück an und komme auch im Winter gut in die Gänge. (Hier der Test von Stiftung Warentest, die Leuchte sollte 10.000 Lux haben. Meine hat weißes Licht, es gibt auch blaues.)
  • Und manche sagen, wir brauchen innen eine Beleuchtung, die stark genug ist, nicht nur trübe Funzeln, um stabil zu bleiben.

Doch der Lichtmangel ist natürlich nicht der einzige Grund für Eintrübung. Manchmal verstärkt der Winterblues nur eine schon vorhandene leichte Depression. Wenn dich das betrifft: Glaub nicht, dass du damit alleine bist … Es ist sogar recht verbreitet.

Lass uns deshalb noch etwas tiefer in diese Nacht blicken – und auch beleuchten, was uns hilft, da wieder herauszukommen.

 

Echt dunkel: die Nacht der Seele

Da sind Dinge in unserer Seele, die weh tun und an die wir immer wieder stoßen. Wir wollen das nicht, und wir denken, „Eigentlich sollte es schon weg sein.“ Ist es aber nicht.

Jemand sagt was Falsches, wir geraten in üblen Stress, und plötzlich ist alles … mies. Wirklich alles. Wirklich mies. Als würde das Licht  weggehen. Als würden sich alte Verletzungen zuschalten, die mit der Sache gar nichts zu tun haben.

 

Wie damit umgehen?

  1. Seelische Heilarbeit ist gefragt. Ich habe dazu schon geschrieben im Artikel Seelische Blockaden. Wir alle brauchen sie im Leben immer wieder mal. Und manchmal ist dafür einfach Hilfe erforderlich.
  2. Wir alle brauchen es: Schritte für die eigene Gesundheit und Balance regulär ins Leben einzupflegen. Das kann uns im Laufe der Zeit stabiler machen. Funktionieren ohne Selbstfürsorge, das geht auf Dauer nicht.
  3. Ganz wichtig: Für gute kreative Gewohnheiten sorgen! Gerade für genug Zeit mit Hobbys oder was auch immer dir Freude macht! Kreativität und Interessen machen glücklich und geben Kraft. Sie zeigen uns immer neu unsere Identität.

 

So können wir selbsttätig Licht in das Dunkel zu bringen.

Wir können anfangen und Glückshormone tanken. Nicht einmal, sondern regelmäßig.

 

Warum sind wir nicht glücklicher?

Jetzt mal eine andere Frage: Warum müssen wir das eigentlich tun?! Immer wieder den Schalter Richtung Glück umlegen? Warum bleibt er nicht einfach da? Vielleicht fragst du dich: „Bin ich so verkorkst?!“ (Ich hab mich das immer wieder gefragt.)

Wieso müssen wir dauernd erneut den Weg zurück in die Balance gehen?

Warum bitte können wir nicht einfach froh sein?

 

Eine frappierend deutliche Erklärung fand ich im Buch Das Gehirn eines Buddha. Die angewandte Neurowissenschaft von Glück, Liebe und Weisheit von Rick Hanson.

Da habe ich begriffen: Unser Gehirn hat sozusagen wenig Talent zum Glücklichsein!

Es ist krass. Unser gefahrenbewusstes Gehirn merkt sich die negativen Dinge und vergrößert sie emotional, um sie als Warnung für alle Zeiten im Gedächtnis zu behalten. Und positive Dinge werden automatisch geringer bewertet und blasser gemacht.

Der Autor schreibt über das Gehirn: „… es verhält sich bei negativen Erfahrungen wie Klettband und bei positiven wie Teflon.“

 

Wachsame Grundausstattung

Das will ich unbedingt mit dir teilen, dass diese Tendenz ins Negative einfach von unserer Grundausstattung her kommt!

Für mich war das sehr jedenfalls sehr, nun: erhellend. 😉

Und entlastend zu wissen, dass unser Gehirn – wenn wir es einfach so laufen lassen – von selbst eher negativ denkt. Wir haben nichts falsch gemacht, wenn unsere Stimmung sich eintrübt. Sondern so funktioniert unsere Hard- und Software. (Seufz.)

Diese trübsinnige Tendenz bestätigt übrigens auch ein Artikel in der Spektrum der Wissenschaft: Schwarzmalerei: Ist der Mensch auf Trübsinn geeicht?

 

Nervöse Umgebung

Und die Außenwelt? Ist manchmal keine große Hilfe …

Kommt es nur mir so vor, dass die Medien die negative Neigung des Gehirns fast wie absichtlich verstärken? Die positiven, ermutigenden Nachrichten sind viel weniger als die erschreckenden, so dass die Tendenz unserer neurologischen Ausstattung noch verstärkt wird.

Keine gute Sache, denn was sollen wir anfangen, wenn die Mehrheit der Leute von Sorge und Angst angesteckt ist, sozusagen in der Defensive! Das macht das Zusammenleben und -arbeiten auch nicht leichter.

Wir brauchen was Anderes:

  • Mehr Mut und Zuversicht
  • Genug Freude und Entspannung
  • Mehr Handlung und mehr gute Kontakte.

Da ist es gut, gegenzusteuern.

Wenn es uns besser geht, ist es auch für unsere Umgebung gut. Wir wechseln den Modus und wirken anders auf die Welt ein.

Und wer kann das bewirken?

 

Für unser eigenes Glücklichsein sorgen

Der Ausgleich für unser eigenes Glück kann von uns selbst kommen.

Es ist ein Akt der Selbstbestimmung.

Unser Gehirn kann schließlich nichts dafür, dass es so tickt …

Und wir auch nicht.

Wir wollen zumindest ein ziemlich frohes Leben haben.

Da können wir uns schlau machen und Schritte einleiten für ein froheres Leben.

 

Das Positive im Leben verstärken: Glückshormone tanken

Zum Glück ist es möglich, dass wir den Hebel umlegen und unser Gehirn ganz allmählich in Richtung mehr Freude lenken.

Und wie geht es?

  1. Wissen, was die Tendenz unseres Gehirns eher negativ ist. Und dass wir selbst am Drücker sind, um allem eine positive Richtung zu geben. Deshalb dieser Artikel.
  2. Es zum Ziel machen: Glücklicher zu werden sollte ein Ziel von dir sein, eine Absicht, die dich leitet; dein persönliches Interesse. Wohlbefinden und angenehme Erfahrungen verdienen deine besondere Aufmerksamkeit.
  3. Bewusst gegensteuern und deinem Gehirn helfen, dich glücklicher zu machen. Zum Beispiel, indem wir du das Gute und Schöne gezielt für dich spürbar machst.

Und wie geht das?!

Wie kannst du das Positive so verstärken, dass es für dich spürbar, wahrnehmbar, erlebbar wird?

Das zeige ich dir im Folgenden.

 

So kannst du dein Gehirn auf Glückshormone trainieren

Kannst du glauben, dass es wahr ist? Du hast es in der Hand! Vielleicht ist es am Anfang schwer, ja. Dein Gehirn braucht Zeit, wenn du es umtrainierst. Doch es ist möglich.

Hier gebe ich dir einige Tipps, was du tun kannst.

Ich zeige dir Fragen, die du dir stellen kannst und Sätze, die du dir sagen kannst, um dein Gehirn zu trainieren.

 

Gedanken auf Glück fokussieren

  • Dich immer wieder fragen, was du Schönes erlebt hast. Meistens war es nämlich durchaus da. Wir haben es nur nicht immer ausgekostet. („Ist da irgend etwas Erfreuliches zu spüren oder zu finden?“)
  • Eine positive Abendbilanz ziehen mit Erfolgen und angenehmen Erlebnissen, zum Beispiel indem du täglich fünf erfreuliche Punkte in einem Tagebuch notierst. („Was habe ich heute Gutes erlebt und geschafft?“)
  • Schriftlich festhalten, was alles Schönes und Positives war, was du geschafft und Gutes erlebt hast, um es wirklich vor dir zu sehen. Besonders wichtig bei Depression oder dem Gefühl der Überforderung. Ich beschrieb das schon in meinem Artikel Sammeln Sie Freudepunkte? („Ich möchte schriftlich vor mir sehen, was Schönes war. Das tut mir gut und stärkt mich.“)

 

Freudegefühle verstärken

  • Durchatmen und den Stress etwas abklingen lassen, der sich fast automatisch bildet; für eine Atempause sorgen, damit du dann wieder etwas Gutes wahrnehmen kannst. („Mal durchatmen. Alles gut.“)
  • Beim Gutem einige Sekunden länger verweilen, es in Gedanken und Gefühlen größer und bunter machen, zeitlich ausdehnen. („Vergrößerungsglas für Erfreuliches verwenden.“)
  • Die schönen Erfahrungen körperlich und emotional auskosten, mit allen Sinnen nacherleben. („Mal einen Moment lang richtig schwelgen.“)
  • Für Gründe zum Freuen sorgen, indem du absichtlich etwas Schönes machst, das dich aufmuntert. („Worüber würde ich mich freuen? Was würde mir jetzt richtig gut tun? Das mache ich dann mal.“)

Du siehst, es ist ein bisschen wie Klebemarken. Und sie wirken: Je mehr es werden, desto leichter fällt es unserem Gehirn, glückliche Ereignisse wahrzunehmen und zu behalten.

Noch besser als das, dieses Vorgehen hat einen längerfristigen Effekt: Denn damit wird es auch in der Zukunft leichter, schöne Gefühle zu erleben und zu erinnern!

Das Gute wächst an.

Du hast eine Aufwärtsspirale in Gang gesetzt.

 

Übung: Das Schöne auskosten (Glückshormone JETZT)

Und so kannst du das neue Wissen gleich jetzt für dich anwenden. Halte kurz inne und frage dich:

  • Welche drei angenehmen Erlebnisse hattest du heute?
  • Was für drei angenehme Erlebnisse hattest du gestern?

Dann geh nochmal kurz in die Erinnerungen hinein und schwelge für einen verlängerten Augenblick. Lass es dich spüren. Was hast du gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt und gespürt? Atme genüsslich durch.

 

  • Was hast du heute noch Schönes vor?
  • Könntest du es bewusst auskosten?

Nun stell dir vor, du isst etwas Leckeres, hörst Musik, machst etwas Kreatives. Du hast eine schöne Begegnung, legst eine Pause ein. Du bewegst dich, erledigst etwas, so dass du stolz auf dich sein kannst. Was auch immer es ist, nimm dir dabei mal zwei, drei Sekunden und einen tiefen Atemzug Zeit, um mit deinen Sinnen ganz da zu sein und es zu genießen. („Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig.“)

 

Deine Erfahrungen

Ich bin neugierig: Welche Rituale hast du schon entwickelt, die dich deinen Alltag mehr genießen lassen? Was hast du für Strategien aufgebaut, durch den Winter zu kommen? Oder damit umzugehen, wenn du den Blues hast?

Und was aus dem Artikel willst du ausprobieren?

Wenn du magst, lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

Ich selbst habe mir eine Malsession zuhause am Küchentisch gegönnt (im Licht der Tageslichtleuchte), um in einen richtig schönen Flow zu kommen. Der Artikel dazu kommt bald.

 

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2 Replies to “Glückshormone tanken: So überwindest du den Winterblues”

  1. Liebe Jana

    Was für ein schöner Artikel. Ich habe immer mal wieder „Dämmerungsdepression“. Das heißt, sobald es hell oder dunkel ist, fühle ich mich gut, im Übergang bin ich dagegen oft eingetrübt. An kurzen, trüben Wintertagen kann das auch den ganzen Tag so sein – ich freue mich dann fast drauf, dass es „ordentlich“ dunkel wird. Die handelsüblichen LED-Leuchten machen es leider auch nicht leicht. Vielleicht sollte ich mir doch auch ne ordentliche Tageslichtleuchte anschaffen.

    Dein Artikel, Jana, hat mir dabei den (lichtmäßig grade trüben) Morgen versüßt: Du schreibst so leichtherzig über das Sammeln von Glücksmomenten. Das hat mich angesteckt. Dein Text ist selbst schon eine Sammlung vieler kleiner Glückstupfer. Jetzt gucke ich mal, wie funkelnd der Tag noch werden kann.

    1. Liebe Grane,

      wie schön, dass da Lichtfunken übergesprungen sind! Das ist für mich das schönste Ergebnis beim Bloggen. Wir brauchen alle verschiedene Formen von Licht und von Freude, mit denen wir uns immer wieder gegenseitig anstecken können.

      Diese Dämmerungsdepression kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist erstaunlich für mich, wie regelmäßig wir gegen den Blues angehen müssen – aber auch, wie gut es dann wirkt, wenn wir es tun.

      Dir wünsche ich Glückstupfer und farbige, funkelnde Momente. Und dass du das, was dir Freude macht, schön auskosten kannst.

      Herzliche Wintergrüße
      Deine Jana

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