Willst du mehr Zeit? So bekommst du sie jetzt sofort!

Wenn wir zu wenig Zeit haben, denken wir oft, es liegt am überfüllten Kalender. An der Menge der Arbeit. An den vielen Ereignissen. Wir wünschen uns mehr Zeit.

Und es fühlt sich an, als müssten wir ewig warten, bis wir überhaupt wieder Zeit zur eigenen Verfügung haben – bis zum Feierabend, bis zum Wochenende oder dem nächsten Urlaub.

Leider sind wir bis dahin manchmal zu erschöpft, um die vorhandene Zeit genießen zu können. Gemein.

 

Wir wollen mehr Zeit

Wir sehnen uns danach. Endlich mehr Zeit haben! Und wir fragen uns: Wie kann ich mehr Zeit bekommen?

„Mehr“, das entspricht dem Gedanken der Quantität.

Und wenn ein Mehr an Zeit in naher Zukunft nicht zu erwarten ist, verzweifeln wir fast darüber, dass so wenig eigenes Leben übrig bleibt.

Doch es gibt Hoffnung. Auch bevor wir konkret die Menge an Zeit erhöhen, können wir schon viel bewirken, wenn wir die Qualität der Zeit verbessern, die wir erleben.

Damit wir mehr von unserer Zeit haben, egal was wir da gerade tun.

 

Mehr Zeit?

Nehmen wir an, ich habe vier freie Tage. Richtig viel Zeit! Nur, wenn ich diese Tage in dem Gefühl verbringe, gehetzt zu sein – getrieben von den Umständen des Lebens – dann hilft mir die Zeit an sich gar nichts.

Zeit zu haben ist nicht genug ohne das Gefühl, Zeit zu haben.

Anderes Bespiel: Manchmal ziehe ich mich gerne zurück, um einen halben Tag alleine zu verbringen. Nur um dann festzustellen, dass ich diese Zeit gar nicht wirklich „habe“, weil ich zwischen verschiedenen Gedanken hin- und hergerissen bin und lange keine Ruhe finde.

Außerdem gibt es auch ein Zu Viel an freier Zeit: Wer plötzlich die Arbeit verliert und arbeitslos zuhause sitzt, wer überraschend in Rente geschickt wird oder unerwartet lang krank ist, kann mit der erhöhten Menge der Zeit nicht automatisch etwas anfangen. Der innere Zustand ist manchmal mies, obwohl plötzlich mehr Zeit da ist.

Wenn der eigene Lebenssinn und Daseinszweck in Frage gestellt sind, wenn wir uns innerlich zerrissen oder belastet fühlen, dann finden wir keine Ruhe, kein Wohlbefinden. Egal, wie viel Zeit wir „haben“. Und das kann ganz schön hart sein.

Beispiel Urlaub: Wenn wir unsere ersehnte Auszeit endlich erreichen, können wir uns nicht immer daran erfreuen. Denn viele von uns werden typischerweise genau da krank, müssen erstmal eine Not-Erholung einlegen oder haben einen langen Vorlauf, um wieder zu sich selbst zurückzufinden.

Deshalb kann es an der Menge der Zeit alleine nicht liegen, dass es uns gut geht. Sondern am Gefühl von Zeit für uns selbst und mit uns selbst.

 

Mehr Lebensqualität

Manchmal erleben wir das Gefühl von eigener Zeit, auch wenn viel zu tun ist. Wenn wir voll präsent sind, im Flow und zufrieden, dann sind wir in der Lage, den vorhandenen Zeitspannen eine hohe Qualität abzugewinnen. So kann auch Arbeit, Einkauf, die Fahrtstrecke, Hausarbeit recht erfreulich sein.

Was wir eigentlich suchen, sind also Qualitäten wie Freude, Sinn, Frieden, Erfülltheit. Ein Gefühl von Harmonie und Stimmigkeit, von Verbundenheit und Bestimmung. Die Erfahrung von Energie und Balance, von Inspiration und Angekommen sein.

Viele alltägliche Momente können uns Lebensqualität bringen, wenn wir lernen, in den Augenblick hineinzuzoomen.

Wenn wir das immer wieder tun, werden unsere Tage länger, lebendiger, ruhiger.

 

Suche nach der Köstlichkeit des Augenblicks

Es gibt also eine Wahlmöglichkeit, die uns erlaubt, in unserem Leben, so wie es ist, das Gefühl von mehr Zeit zu erzeugen. Zu allererst besteht die Lösung unseres Zeitproblems in einem veränderten Erleben unserer Zeit.

Die Köstlichkeit eines Augenblicks entzieht sich jeder Maßeinheit. Sie liegt auf einer anderen Ebene.

Wenn du mehr köstliche Augenblicke hast, dann hast du auch mehr Zeit. Das liegt am geänderten geistigen Zustand: Am Mehr an Aufmerksamkeit.

 

Achtsamkeit verlangsamt den Ablauf der Zeit

Eine bewusstere Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments ist der Kern der Achtsamkeitspraxis. Das übe ich seit Januar intensiver (siehe Artikel Stress abbauen mit Achtsamkeit. Mein Jahresthema).

Seither scheinen die einzelnen Kalenderblätter länger an der Wand zu hängen.

Wir sprechen immer wieder davon, wie die Zeit dahinrast. Oft kombiniert mit der Frage, ob das mit dem Älterwerden zu tun hat. „Schon wieder ein Monat um.“

Erstaunt stelle ich fest, dass das auf mich zurzeit nicht zutrifft. Meine Zeit scheint langsamer geworden zu sein. Oft gucke ich verwundert auf das Kalenderblatt, wie lange es da schon hängt. Und es ist immer noch eine Woche vom Monat übrig.

Ich habe mehr köstliche Momente.

Auch wenn ich es oft vergesse, den Augenblick wahrzunehmen: Ein anderes Mal denke ich wieder daran. Ich übe …

 

Zeit sparen, um mehr Zeit zu haben?

Wir haben der Betriebswirtschaft den Gedanken abgekauft, dass sich alles in Zahlen ausdrücken lässt. Dass nur das Ergebnis zählt. Nicht, in welchem Zustand wir dahin kommen.

Aus dieser Sicht erscheint es logisch, dass wir Zeit freischaufeln müssten, um wieder mehr zu leben. Als könnten wir durch Schnelligkeit die Zahl der verfügbaren Zeitmenge erhöhen, damit wir später mehr Zeit haben.

Dabei ist das Gegenteil wahr: Lebendig leben wir, indem wir uns in diesem Augenblick mehr Zeit nehmen und voll präsent sind.

Doch da sind die Zeitdiebe am Werk. Sie versuchen uns vom Zeitsparen zu überzeugen. Und sie sind damit erfolgreich.

 

Von gesparter, gestohlener und zurückgebrachter Zeit

Michael Ende hat in seinem Roman Momo. Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte hellseherisch auf diese Zusammenhänge hingewiesen:

In Momos Geschichte lassen sich immer mehr Leute von den Herren in grauen Anzügen überzeugen, dass sie Zeit einsparen müssen. Es klingt so einleuchtend: Durch das Zeitsparen landet die gesparte Zeit auf einem Zeitkonto. Und später steht sie wieder zur Verfügung. Von wegen!

In Wirklichkeit verpassen wir durch das Zeitsparen die Stundenblumen: die unverwechselbaren Blüten, die jede Stunde des Lebens in unserem Herzen aufblühen und wieder vergehen.

Diese kostbaren Momente werden nicht erfahren und erlebt, sondern getrocknet und zu Zigarren verarbeitet, mit welchen die grauen Herren sich mühevoll am Leben halten.

Und uns allen fehlt die Zeit dann.

 

Zu wenig Zeit zum Leben

Uns geht es heute genauso wie in dieser Geschichte von 1973: Immer mehr Menschen sind gehetzt.

Wir haben keine Muße für einen Schwatz am Gartenzaun. Unter dem Druck des Zeitsparens nehmen wir uns diese Zeit nicht mehr. Die Zeit, eine Geschichte zu erzählen oder anzuhören. Die Zeit zu spielen. Die Zeit zu genießen. Einfach da zu sein.

Leicht werden wir von der hektischen oder nervösen Grundstimmung angesteckt, ob in der Arbeit, im Fernsehen, im Einkaufszentrum oder unserer privaten Umgebung. Das ist ganz normal.

Als Gesellschaft haben wir den grauen Herren ihre Lügen abgenommen.

Nur das Mädchen Momo – eine Träumerin und gesellschaftliche Außenseiterin – ist für dieses Dogma nicht zugänglich. So wird sie zur Hauptfeindin der grauen Herren.

 

Den Zeitdieben entkommen

Schließlich ist ein ganzes Heer von grauen Herren Momo auf den Fersen. Wie eine Wand folgen sie ihr unerbittlich, kreisen sie ein und vergiften die Luft mit ihren Zigarren aus gestohlener Zeit.

Momo wird von der uralten weisen Schildkröte Kassopeia begleitet. Durch sie lernt die Heldin, dass sie langsam laufen muss, um den Zeitdieben zu entkommen. Sie können das Mädchen einfach nicht einholen.

Je langsamer sie geht, desto größer wird der Abstand zwischen ihr und ihren Verfolgern.

Sich zu hetzen, ist nie ein Weg, um mehr Zeit übrig zu behalten. So wie im Buchtitel von Lothar Seiwert treffend formuliert: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Mehr Zeit in einer beschleunigten Welt.“

Um mehr Zeit zu haben, müssen wir das Tempo herunterfahren. In den Moment hineinzoomen.

So entkommen wir den Zeitdieben.

 

Wenn du es eilig hast, gehe langsam

Auf dem Weg von der Arbeit zum Auto trödle ich gerne. Und sofort habe ich mehr Zeit.

Wenn du das auch schon in manchen Situationen machst, sind wir zusammen auf dem Weg zu mehr gefühlter Zeit. Und das können wir ausweiten auf andere Bereiche des Lebens. Vielleicht kennst du das:

Schon mit der Wahrnehmung meiner Umgebung stellt sich eine spielerische, offene Stimmung ein. Siehe der Artikel Sehen ist ein kreativer Akt. So leicht ist es, in einen schöpferischen Zustand zu kommen.

Ich sehe Blumen, Bäume, Tiere. Überraschende Details. Kleine alltägliche Wunder. Wie ein Wochenend-Spaziergang. Wie ein Urlaub.

Auch beim Autofahren stellt sich diese Gemütlichkeit manchmal ein.

Mein Start in den Feierabend ist jetzt viel beschaulicher. Ich bin öfter in einem friedvollen, genussfähigen Zustand. Und meine freie Zeit, mein Feierabend, mein Wochenende beginnen früher. 

Herrlich.

 

Übung: Mehr Zeit durch Ankommen im Augenblick

Das nächste Mal, wenn du bemerkst, dass du gehetzt bist: Das ist prima! Du hast es bemerkt. Das ist bereits ein Akt der Bewusstheit. Du kannst dir gratulieren. Denn du hast mit diesem Gewahrwerden erfolgreich eine Übung der Achtsamkeit durchgeführt.

 

Zum Abschluss dieses Artikels zeige ich dir, auf welche Weise du deine Erkenntnis des Gehetztseins nutzen kannst. Nämlich mit der einfachsten Übung der Welt:

Atme bewusst ein und spüre deinen Einatem.

Er sagt dir, dass du lebendig bist.

Atme bewusst aus und nimm deinen Ausatem wahr.

Er sagt dir, dass du lebst.

Jetzt, in diesem Moment.

 

Und jetzt gehört die Zeit dir.

So gewinnst du jederzeit die Köstlichkeit des Augenblicks zurück.

Jetzt, in diesem Moment.

 

 

Hier geht es zur Beschreibung von Michael Endes Roman Momo in Wikipedia.

Hier geht es zum Buch Momo auf Amazon.

Über Achtsamkeitspraxis und Stille habe ich dieses Buch gelesen, aus dem viele Gedanken in den Artikel eingeflossen sind: Stille, die aus dem Herzen kommt. Innere Ruhe finden in einer lauten Welt von Thich Nhat Hanh.

 

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