Von der Köstlichkeit des Schreibens

Ein Stift und ein Notizbuch liegen da und verlocken, die eigenen Gedanken notieren. Wenn du selbst schreibst, kennst du diese Verlockung. Das Gefühl, wenn eine Idee auftaucht und dich reizt, ihr nachzugehen. Manchmal leuchtet ein Einfall auf wie ein Geistesblitz. Ich möchte dich einladen, dieser Eingebung zu folgen. Der Köstlichkeit des Schreibens zu folgen. Dich hinzusetzen und die Idee aufzuschreiben. Denn sie ist wertvoll.

 

Das Licht der Inspiration

Ob du nun schon eine Idee hast und sogar Schreiberfahrung, oder ob du dir überlegst, das Aufschreiben (vielleicht sogar erstmals) auszuprobieren, du wirst feststellen, schreiben ist anders als nur zu denken.

Wir können durch das Schreiben Dinge erfahren, die wir vorher nicht wussten.

Es muss hier nicht um große Ideen gehen wie Romane, Phantasiewelten, philosophische Gebäude, Sachbücher, Biographien (auch wenn es das könnte).

Es kann um etwas Kleines gehen, und Schreiben wirkt, denn:

 

Schreibend an innerem Wissen anknüpfen

Tatsächlich können wir schriftlich oft eine reichere Quelle von Ideen anzapfen, von kreativem Wissen, sogar von Weisheit.

Wenn wir Dinge schriftlich fassen, entdecken wir mehr: egal, ob es um Lebenserinnerungen geht, um ein Tagebuch, Journaling, Geschichten oder Gedichte. Es ist wertvoll.

Es könnte ein Brief an dich selbst sein. Ein Brief an liebe Menschen. Eine schöne Erinnerung, die du teilen willst. Ein Satz, der dir eingefallen ist. Egal was, das Schreiben wird überraschende Ergebnisse hervorbringen.

Was wir beim Schreiben erleben, ist sehr lebendig: wie ein Geschmack, aber nicht auf der Zunge. Ein Duft, aber nicht in der Nase. Wie eine Erinnerung.

Was da aufleuchtet, wenn wir schreiben, ist Kreativität, Buntheit, Schönheit, Stimmigkeit, Wahrheit.

 

Köstlichkeit, eine belohnende Erfahrung

Das Bunte daran (eben die Köstlichkeit) ist das Prickeln erfreulicher Hormone.

Da ist Endorphin, das Glückshormon. Da könnte auch Serotonin sein, das Trosthormon.

Und da ist Dopamin, das Belohnungshormon: Dem Funken der Inspiration folgt direkt das Bedürfnis, die Idee aufzuschreiben.

Und wenn wir diesem Bedürfnis nachgeben, ist es Glück: Es fühlt sich richtig an, stimmig. Einfach sehr, sehr gut. Und das stärkt einen Kreislauf in uns, der uns verlocken wird, es wieder zu tun.

Und warum sollte man das Schreiben verstärken? Weil es uns vollständiger und stabiler macht.

Schreiben ist seelisch förderlich.

 

Welten miteinander verbinden

Formulierend verbinden wir nämlich die unterschiedlichen Erlebniswelten der Gedanken und der Gefühle. Wir erschaffen eine tragfähige Verbindung zu uns selbst.

Menschen, die Verstand und Gefühl miteinander in Einklang bringen können, sind stabiler und emotional kompetenter. Das können wir durch Schreiben erreichen.

Doch es können auch noch andere Welten miteinander verbunden werden. Die Welt des Alltags mit der Welt der Phantasie oder der Intuition:

  • Vielleicht hörst du auf einmal Sätze, die du dir nicht im Kopf ausdenken musstest. Wie ein Diktat.
  • Oder du siehst Bilder oder sogar kleine Filmstücke.
  • Etwas wie im Traum, nur dass du wach bist.
  • Oder du hörst in deinem Geist Dialoge aus deiner Vergangenheit oder aus einer Welt der Phantasie.

Das ist die Magie der inneren Stimme. Das ist Köstlichkeit.

Diese innere Stimme bringt uns auf eine ganz bestimmte Spur, die auch in der Literatur über Kreativität eine große Rolle spielt; lass mich erzählen:

 

Auf der Spur der Goldader

Julia Cameron, Autorin des Millionensellers Der Weg des Künstlers, hat Dutzende Bücher geschrieben und Menschen auf aller Welt in ihrer Kreativität bestärkt. Sie ist eine meiner großen Lehrerinnen und hat mir mit ihren inspirierten Essays geholfen, meine künstlerische Identität für mich einzufordern.

Cameron empfiehlt, gleich morgens nach dem Aufstehen schreibend unserem Gedankenstrom zu lauschen (Morgenseiten) und unsere Kreativität außerdem mit verschiedenen Übungen anzuregen und erblühen zu lassen.

Für sie geht es um zwei Dinge:

  • Unsere Kreativität von Blockaden zu befreien und zu entwickeln.
  • Uns dadurch menschlich und spirituell zu entwickeln, mit vollem Zugang zu unserem inneren, eigentlichen Selbst.

Sie benennt das wahre Selbst als Goldader, und den Weg dorthin als Reise in das kreative Zentrum hinein, ins eigene Herz.

Ich finde dieses Bild der Goldader köstlich. Es geht dabei um das Leuchten inneren Reichtums; das Licht der inneren Verbindung.

(Aus: Julia Cameron: The Vein of Gold – A Journey to Your Creative Heart. Zu Deutsch: Die Goldader: Eine Reise in dein kreatives Herz, Der Nachfolgeband vom Weg des Künstlers, nur auf Englisch erschienen).

 

Zugang zum eigentlichen Selbst

Dieser Zugang zum eigentlichen Selbst immer mehr zu erlangen, ist eine drängende, brennende, tiefe Sehnsucht von mir. Wie wäre das, einen stabilen Austausch mit der inneren Stimme zu haben?

Im Grunde suche ich einen Weg, in Verbindung mit Körper, Geist und Seele zu leben. In Ganzheit.

Schreiben kann ein Weg dorthin sein.

 

Schreiben kann sein wie zuhören:

  • Ich höre mir selbst zu“,
  • Sprecht, ihr inneren Stimmen, ich will es wissen“,
  • Ich glaube, dass in mir noch viel mehr ist, als ich mit dem Tagbewusstsein parat habe“,
  • Ich vertraue meinem Unbewussten und bitte um Anleitung“.

Ja, und wirklich: Eingaben aus dem eigenen Kreativgehirn zu erhalten, die im Flow wie von selbst zu uns kommen, das ist Köstlichkeit.

Dazu können wir einfach die Türe immer wieder aufmachen und diese Eingaben einladen. Durch das Schreiben.

 

Schreibend in die dunkle Jahreszeit

Wenn es außenherum neblig und dunkel ist, können die Innenräume unseres Geistes umso heller leuchten.

Wenn wir zurückgezogen sind, können sich manchmal im Inneren umso weitere Räume öffnen.

Eine Variante vom Schreiben im Herbst ist der Romanschreibmonat in den USA:

  • Jedes Jahr werden Zigtausende von der Organisation NaNoWriMo (Nationaler Monat des Romanschreibens) dazu animiert, einen ersten Romanentwurf im Sprint aufs Papier zu bringen. Ziel: 30 Tage, 50.000 Wörter.
  • Der Gedanke ist wohl: Gerade, wenn die Nächte immer länger werden und das Licht immer weniger, tut es gut zu schreiben.
  • Motto: Keine kreative Idee soll verlorengehen. Kreativität ist wichtig und soll ausgedrückt werden.
  • Und dabei tut es gut zu wissen, dass andere auch gerade dasitzen und schreiben, richtig Strecke machen und den ersten Entwurf ihres Romans im Sprint aufs Papier bringen.

Ich finde das faszinierend! Durch die Menge und das Tempo wird wohl so mancher perfektionistische Widerstand einfach umgerannt oder abgehängt …

Doch das ist natürlich ein großes, auch etwas hektisches Projekt mit einem angestrebten Ziel.

Schreiben im Herbst: Es muss ja nicht unbedingt ein Roman sein. Kein Riesenprojekt. Wir können auch an unseren bestehenden Projekten weitermachen. Oder uns etwas Hübsches neu vornehmen, das wir aufschreiben wollen, um menschlich auf sanfte Weise weiterzukommen.

 

Teestunde

Oft sind es die winzigen Portionen, die uns am weitesten bringen. Die uns unauffällig stärken und ermutigen, es wieder zu tun.

Das ist meist wichtiger als die geschriebene Menge. Die Regelmäßigkeit macht es. Und die kommt durch Leichtigkeit und Freude.

Wie wäre es an den dunklen Nachmittagen im Herbst mit einer kleinen Teestunde oder Kaffeestunde, und dabei einfach ein paar Gedanken zum Tag notieren?

Oder täglich ein Gedicht schreiben und erfahren, was in der eigenen Seele so vorgeht.

Das Gefühl ist so köstlich, gar nicht in Worten zu benennen.

 

Dein Schreiben fördern

Willst du dein Schreiben fördern? Dann empfehle ich, nutze das, was für dich funktioniert. Wir haben die Wahl:

  • Die Delikatheit schöner Notizbücher (oben im Bild ein Notizbuch von paperblanks (keine bezahlte Werbung), die überirdisch schöne Notizbücher herstellen, richtige Kunstwerke),
  • die Zugänglichkeit eines beliebigen billigen Papiers, wo alles erlaubt ist,
  • das Schnurren leicht laufender Technik, die dich unterstützt,
  • ein Notizbuch auf dem allgegenwärtigen Handy.
  • das Understatement von Blöckchen oder Zetteln, die so harmlos sind, dass sie jeden Widerstand unterlaufen.

Es ist egal! Wer heilt, hat Recht. Und was für dich funktioniert, ist die richtige Methode.

 

Belohne dich für das Schreiben

Möchtest du den Belohnungskreislauf in dir noch begünstigen?

  1. Leicht. Mach es leicht. Leg es sichtbar hin oder mach es sonstwie leicht zugänglich.
  2. Klein. Mach das Unterfangen klein. Vielleicht winzig. Hauptsache überhaupt.
  3. Angenehm. Lass es zu einer schönen kleinen Erfahrung werden. Kein Überanspruch.
  4. Belohnung. Und ganz wichtig, wenn du geschrieben hast, dann lobe dich jedes einzelne Mal. Klopfe dir auf die Schultern. Genieße für drei Atemzüge den Erfolg, die Köstlichkeit, das gute Gefühl.

Soweit die Tipps zur Gewohnheitsbildung.

 

Die Köstlichkeit des Schreibens

Ein Stift und ein Notizbuch und die Verlockung, die eigenen Gedanken zu notieren. Ich möchte dich einladen, deiner Eingebung zu folgen. Der Köstlichkeit des Schreibens zu folgen. Dich hinzusetzen und deine Gedanken aufzuschreiben. Denn es ist wertvoll.

 

Fragen an dich

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Schreiben?

Was ist für dich das Köstliche daran?

Hast du Lust bekommen? Was willst du probieren?

 

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