Neugierde aufs Leben – dein Schlüssel zu mehr Gesundheit

Was haben Neugierde und Gesundheit miteinander zu tun? Sehr viel. Denn auch wenn wir Neugierde normalerweise eher in den Bereich von Wissen und Kreativität hineinrechnen würden, ist sie eine Schlüsselqualifikation der Achtsamkeitspraxis und hat daher jede Menge Einfluss auf unsere Gesundheit.

Inzwischen ist nachgewiesen, dass Achtsamkeit für die seelische und körperliche Gesundheit gut ist. Sie kann uns ruhiger und glücklicher, kreativer und sogar erfolgreicher machen.

Also werden wir durch sie selbstbestimmter auf unserer Lebensreise. Und mit diesem Blog möchte ich kreativen Menschen Ressourcen zur Selbstbestimmung an die Hand geben. Damit es wirklich die eigene Queste wird.

 

Achtsamkeit für quirlige Menschen?

Doch all diese netten Effekte machen Achtsamkeit nicht automatisch für alle attraktiv! Manche denken bei Achtsamkeitspraxis vielleicht an ruhige (öde) Aufmerksamkeit.

Man wäre dann entspannt, konzentriert, erleuchtet oder so. Und irgendwie langweilig – unnatürlich lange ausharren, sich mit Details beschäftigen, während man tut, als fände man sie interessant, was aber gar nicht stimmt.

Jedenfalls nicht unbedingt etwas für quirlige Geister (wie zum Beispiel vielseitige Scanner) oder für Menschen, die nicht gut stillsitzen können, richtig?

Nö, falsch. Mit diesem Artikel will ich ein neues Licht auf die Achtsamkeit werfen.

 

Aufmerksamkeit und Neugierde

Es ist nämlich ganz anders: Achtsamkeit ist der Zustand, wenn wir unsere natürliche Neugierde bewusst auf etwas lenken. Was auch immer es ist.

Du weißt schon, Neugierde – Treibstoff eines vielseitigen Scanner-Gehirns, eines wissbegierigen Wesens. Das, was uns antreibt, was ein Leben lang aufnahmebereite Kinder aus uns macht, von Natur aus kreativ.

Dieselbe Neugierde ist der Scheinwerfer in der Achtsamkeitspraxis: Ich kann meine Wachheit auf meine Gedanken lenken, auf meine Gefühle und Empfindungen. Auf die Situation, wie sie ist. Nur für diesen Moment.

Und das kann zutiefst befriedigend sein. Das stelle ich bei meiner Jahres-Challenge immer mehr fest.

Es wissen wollen. Hingucken. Mit allen Sinnen wahrnehmen.

Mit Neugierde hältst du den Schlüssel zu langandauerndem Wohlbefinden in den Händen.

 

Achtsamkeit und Süchte

Diese Erkenntnis kam mir durch einen Vortrag von Judson Brewer: „Ein einfacher Weg, eine schlechte Gewohnheit zu durchbrechen.“ Hier der Link zum TEDx-Talk auf Englisch mit deutschen Untertiteln: A simple way to break a bad habit | Judson Brewer.

Der Mann – Doktor der Medizin, Universitätsprofessor und Erforscher von Achtsamkeit – hat einen enormen Nutzen anzubieten: Nämlich das Überwinden von Süchten mittels Achtsamkeitspraxis.

Was für Süchte sind gemeint? Nun ja – Sucht so wie:

  • Rauchen, zu viel Süßes essen, zu viel Kaffee trinken.
  • rastlos das zwanzigste Mal zum Handy greifen, vielleicht sogar am Steuer anstatt konzentriert zu fahren oder nachts anstatt zu schlafen.
  • mehr Fernsehen schauen, als uns gut tut.
  • dieselben Verhaltensweisen immer wieder abspulen, obwohl wir wissen, dass sie schlecht für uns sind.

Ist da was für dich dabei? 😉

 

An diesen Beispielen siehst du: Abhängigkeit betrifft uns alle! Unsere Gesundheit leidet unter ihnen.

Wie kommt das? Sind wir so kaputt oder was?

Das nicht. Es liegt daran, dass Suchtmuster auf einer Basiseigenschaft unseres Gehirns beruhen. Lies weiter:

 

Wie Suchtmuster entstehen

Süchte funktionieren über einen bestimmten Ablauf im Gehirn. Und zwar, dass eine Handlung durch gutes Gefühl „belohnt“ und damit verstärkt wird:

 

Handlung => Belohnungsgefühl (Wohlbefinden)

Beispiel: Süßes essen fühlt sich gut an. Das Gehirn möchte das schöne Gefühl gerne wieder haben. Es gewöhnt sich an, dieses gute Gefühl öfter zu bestellen. Es will uns etwas Gutes tun.

 

Das Gehirn merkt bald, dass es mit dieser Handlung auch ein mieses Gefühl ausgleichen kann. Zum Beispiel kann es dafür sorgen, dass du im Stress diese wohltuende Handlung ausführst, damit du dich wieder wohlfühlst.

Du hast Stress. Das Gehirn sagt dir: „Gib mir Schoki.“

Und das Gehirn kann sehr überzeugend sein!

Folgende Kette ergibt sich:

Stressor => Ausgleichshandlung (Schoki) => Wohlbefinden

 

Allgemeiner formuliert:

Auslösereiz => Reaktion => Belohnung

 

Ein festes Muster entsteht:

  • Stress => Süßes => Belohnungsgefühl (Gehirnmeldung: „Das wieder machen!“)
  • Stress => Rauchen => Belohnungsgefühl (Gehirnmeldung: „Das wieder machen!“)

Und irgendwann ist die feste Gewohnheit da.

Es ist eine Sucht geworden. Eine ziemlich hartnäckige Sache also.

 

Reiz-Reaktions-Ketten

Doch interessanterweise hatte der Wissenschaftler mit seinen Forschungsprogrammen enormen Erfolg dabei, dass Menschen sich das Rauchen abgewöhnen. Nur durch Achtsamkeitspraxis.

Und wie soll das gehen?

Lass uns zunächst anschauen, was bei einer Sucht überhaupt passiert.

 

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Alltag:

Stell dir vor, du hast eine Besprechung in der Arbeit oder im Ehrenamt oder schaust eine Sendung an, wo wieder solche Dinge gesagt werden.

Du weißt schon, haarsträubende, die dir den Gehirnflash geben. „Das darf doch nicht wahr sein!“ denkst du dir. In deinem Kopf und deinem Körper eine Wolke negativer Gefühle. Absturz der Stimmung. (Mag das Gehirn gar nicht.)

Oder eine Kundin, ein Kollege, die Chefin, ein Klient, ein Mitmensch benimmt sich idiotisch. Hirnverbrannt idiotisch! Und bei dir trifft es den wunden Punkt.

 

Kurzum, du kommst gewaltig in Stress, fühlst dich sehr schnell sehr mies.

Ein Stressor reinsten Wassers.

(= Auslösereiz, Stimulus, Trigger)

 

Wie reagierst du jetzt?

Ein Schokoriegel? Ein Teilchen? Ein Kaffee? Eine Zigarette?

Zum Handy greifen? Den Fernseher anmachen?

…?

(= Reaktion, Response)

 

Das alles können gelernte Reaktions-Ketten sein.

Eines ergibt das andere. Das alte Lied.

 

Emotionale Muster erkennen

Es ist aber auch möglich, dass solche Trigger in dir andere Reaktionen auslösen, die sich ebenfalls schon verselbständigt haben:

  • Auslösereiz: Der falsche Satz im Job, der gefühllose Mitmensch, das immergleiche Familienmuster, die schiefgelaufene Planung, der verpasste Bus, der Stau.
  • Mögliche typische Reaktionen: Ein Schub von Weltschmerz, von allgemeiner Panik oder eine Grübelattacke, die alles noch schlimmer macht und ihre eigenen krassen Depressionshormone im Gehirn zündet. Wir könnten das als Grübel-Sucht bezeichnen.

Auch das sind Reiz-Reaktions-Ketten. Und sie sind sehr verbreitet.

Du weißt vielleicht, wie deine aussehen, und kennst sie schon sehr gut?

Ich kenne meine.

Sie – sind – nicht – schön!

 

Doch sie müssen und sollen nicht so bleiben.

Es lohnt sich, mit diesen fiesen Dingern (seelischen Blockaden) umzugehen, damit wir frei sind für unsere eigene Entfaltung.

Und das Mittel zum Umgang damit ist einfach: Mit Neugierde dazwischengehen, ehe das ganze Muster abspulen kann.

Das geht? Ja, das geht!

 

Neugierig das Verlangen beobachten

Dazu zoomen wir erst noch ein bisschen näher in das Muster hinein und entdecken einen Zwischenschritt: Das Verlangen, das Craving, den Drang:

 

Trigger => Verlangen => Typische Reaktion => Belohnungsgefühl

 

Wir haben alle unsere Stressoren, unsere Auslösereize. Unsere Trigger. Das ist normal.

Doch bevor die übliche Reaktion abspult, ist da noch etwas, das meist ganz schnell vorbeisaust: das entstehende Verlangen zur Handlung. Dort setzen wir mit unserer Neugierde an.

So einfach ist es: Wenn das Verlangen – das Craving – hochkommt, können wir es bemerken.

 

Das ist Wissenschaft pur! Und so geht es:

  • Schau neugierig zu, wie der Hunger nach Schoki oder Kaffee entsteht. Wie fühlt es sich im Körper an? Bleib einen Moment dabei.
  • Beobachte interessiert, wie die Neigung zum Grübeln oder zur Angstattacke entsteht. Wie genau sind die Empfindungen? Spür einen Moment hin.
  • Nimm aufmerksam wahr, wie sich deine bevorzugte Übersprungshandlung anbahnt (Handy, Fernsehen, sich überfressen, etwas kaufen, Gefühlsausbruch usw.). Was läuft in dir ab? Einfach wahrnehmen.

Deine einzige Aufgabe: Neugierde für den Vorgang aufbringen. Du nimmst gerade live an einem wissenschaftlichen Experiment teil!

 

Wir tun das, indem wir beobachten und nachspüren, wie das Verlangen sich genau anfühlt. Es sind Körperempfindungen und Gefühle, also wir können sie wahrnehmen. So hingespürt sind sie gar nicht so schlimm.

Und wenn wir dann die Reaktion trotzdem nicht aufhalten können?

Müssen wir gar nicht:

 

Neugierig unsere Suchtreaktion miterleben

Wir brauchen uns die typische Reaktion (das Ausführen unserer Suchthandlung) nicht zu verbieten.

Im Gegenteil: Wir nehmen uns vor, genau hinzuspüren, wie es sich anfühlt, wenn wir sie durchführen!

Anstatt mit „Augen zu und durch“ das Muster durchzuziehen, sehen wir uns dieses Mal bei vollem Bewusstsein dabei zu. Neugierig.

 

Und das kann dabei herauskommen:

  • In der Untersuchung stellten die Leute fest, dass Rauchen widerlich schmeckt.
  • Ich merkte vor Jahren beim bewussten Essen von eine bestimmte suchtauslösende Schokolade, dass sie unerträglich süß ist, wenn ich sie langsam esse, anstatt sie hineinzuschlingen. Sie tut an den Zähnen und auf der Zunge weh. Geht gar nicht.
  • Auch wenn das Buffet noch so lecker ist: Sich zu überfressen ist alles andere als schön! Das ist mir einmal bei einem Fest letztes Jahr so richtig bewusst geworden. So köstliches Essen. Und danach war mir so elend. Seit diesem bewussten Moment mag ich es nicht mehr, mich zu überfressen. Ich kriege die Kurve oft vorher.
  • Angst oder Grübeln: Sie sind uns vertraut, doch es gibt Alternativen zum völligen Absturz. Denn der fühlt sich auch nicht gut an. Muss es wirklich wieder die volle Form sein? Indem wir den Moment des Entstehens bewusst erwischen, bekommen wir mehr Handlungsmöglichkeiten an die Hand. Jedes Mal, wenn es dir gelingt, es zu beobachten, kannst du stolz auf dich sein.

 

Nochmal zusammengefasst: Die aufmerksame Neugierde für unsere Empfindungen unterbricht oft das Suchtmuster.

Das finde ich eine irre Leistung unseres Bewusstseins. Neugierde und Gesundheit sind offenbar ein starkes Team.

Aber es wird noch besser:

 

Neugierige Achtsamkeit wird zur Belohnung

Jedes Mal, wenn wir uns neugierig dem Geschehen zuwenden, erhalten wir aus diesem Moment heraus eine gefühlte Belohnung.

Denn:

  • Die Gefühle und Beobachtungen sind interessant, sie sprechen unseren Lerntrieb an.
  • Das bewusste Da-Sein, das Spüren in der Realität ist angenehm.
  • Der Wahrnehmungszustand von Neugierde ist anregend.
  • Die Konzentration tut gut, die Wachheit im Augenblick ist schön.

Es kann beruhigend sein und es kann froh machen.

Ein typisches Belohnungsgefühl.

 

Ein bewusster Augenblick

Da sind wir, mit uns selbst verbunden, in unserem Körper, und fühlen uns quicklebendig. Mit allem Drum und Dran, wie es eben ist. Wohlbefinden und Selbstannahme.

Und dann greift das oben beschriebene Gehirnmuster und sagt: „Das will ich wieder.“

Das klingt doch verflixt ähnlich wie: „Ich kann gar nicht genug vom Leben kriegen.“ 🙂

 

Neugierde und Gesundheit

Wenn dein Gehirn bei dir den Zustand von Neugierde pur bestellt – das ist eine hilfreiche Reiz-Reaktionskette.

So wird Achtsamkeit in Form von Neugierde zur Aufwärtsspirale.

Mit Neugierde bahnst du dir selbst den Weg zu Wohlbefinden und Gesundheit.

Wann hast du deinen nächsten neugierig-aufmerksamen Moment?

Wo in deinem Leben hat er Platz?

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