Dich feiern – Kleiner Jahresrückblick in Wertschätzung

Ein Jahresrückblick mit positiven Gefühlen. Warum er uns stark macht und ein Vorschlag für den Ablauf.

Ich finde es achtsam, auf das vergangene Jahr mit Freundlichkeit zurückzublicken und es zu würdigen. Ich will das Erlebte eines ganzen Jahres mit Verständnis betrachten und in Wertschätzung umhüllen. Denn – warum nicht? Warum soll ich nur mit Sorge auf Vergangenheit und Zukunft schauen? Oder den Übergang gar nicht erst beachten, den Rückblick ganz weglassen? Ich will mir das Gute einverleiben und aus Allem lernen.

Dieses Jahr habe ich eine kleine Reflexion in vier Schritten entwickelt. Ich habe sie ausprobiert, hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert und mich genährt und gestärkt. Es wärmt das Herz, und manches prickelt angenehm im Bauch. Das Beste: Ein Gefühl von Stimmigkeit.

 

Durch den Jahresrückblick sorge ich positiv für alle Zeitdimensionen:

  • Die Vergangenheit in Milde umfangen und mir annehmend zu Eigen machen
  • In der Gegenwart Verantwortung für mein Wohlbefinden übernehmen durch die Wahl einer wertschätzenden Perspektive
  • Mich für die Zukunft, für alles Kommende stärken durch eine ressourcenorientierte Sicht
  • Meinem Leben immer wieder, unabhängig von den Umständen, eine eigene Richtung geben.

Letztlich ist der wertschätzende Jahresrückblick eine Übung der positiven Psychologie. Diese hat in vielen Studien nachgewiesen, wie sehr unsere Resilienz und Lebensfreude gestärkt wird, wenn wir uns gute Gefühle erlauben. Unsere Gesundheit wird verbessert, unsere soziale Kompetenz erhöht. Der Lebensmut steigt.

Wenn dich das anspricht, biete ich dir diese vier Schritte für einen kleinen Jahresrückblick an.

Anmerkung: Erst waren es drei, aber ich merke, es braucht Mitgefühl und Trost als einen eigenen Punkt.

 

Vorab: Wenn es für dich sehr schwer war

Ein Wort vorab. Ich weiß, dass viele Menschen zu kämpfen haben. Wenn du eine unmenschlich schwere Situation erlebt hast oder immer noch hast, dann gehört dir mein volles Mitgefühl. Ich will keinesfalls ignorieren, dass Manches einfach nur unerträglich ist, eine Zumutung.

Ich las in der Zeitung von einer Mutter von 5 Kindern, deren Mann im Oktober von einem Nachbarn erschossen wurde. Das ist so erschütternd. Diese Frau braucht ganz sicher keine Tipps von außen, wie sie die Sachen betrachten soll. Da will ich gar nicht erst so tun, als könnte ich mitreden. Es gibt Situationen, da ist durchzuhalten und das Beste daraus zu machen die einzige Option. Da braucht man einfach nur vo viel Unterstützung und Loyalität wie möglich.

 

Jenseits des Alarmknopfs

Zugleich weiß ich aber auch, dass wir Menschen ingesamt dazu neigen, das Schlechte mehr zu sehen als das Gute. Egal, wie die Situation ist. Da besteht eine gewisse depressive Neigung unseres Gehirns, die aus der Vorzeit stammt: Gefahren überwertig wahrzunehmen und so vermeiden zu können, hat uns als Tiere und Menschen durchgebracht.

Eine Drama-Brille, wenn man so will. Ein eingebauter Alarmknopf, der uns geholfen hat zu überleben.

Für eine balancierte Integration unserer Persönlichkeit hingegen ist der Alarmknopf nicht so hilfreich! Auf der schöpferischen Reise geht es nicht nur ums Überleben. Sondern auch um Wachsen und Gedeihen:

  • Ein Leben als vielseitig kreative und sensible Wesen führen
  • Auf die Turbulenzen des modernen Lebens flexibel reagieren
  • die unvermeidlichen Herausforderungen mit möglichst viel Kreativität und Schwingungsfähigkeit annehmen
  • Gedeihen und gestalten in passabler Balance.

Für diese Prozesse sind andere Qualitäten gut. Zum Beispiel:

 

Qualitäten für Wachstum und Erweiterung

All das erarbeiten wir uns im Laufe der Jahre. Ein Schritt dazu ist eben ein Jahresrückblick in Wertschätzung.

Hier nun meine Idee der vier Schritte. Du kannst das einfach beim Lesen in Gedanken, schriftlich oder im Gespräch machen. Nimm dir aber ein bisschen Zeit – auf den zweiten, dritten Blick fallen uns oft noch mehr gute Dinge ein, die wir auf den ersten Blick übersehen.

 

Jahresrückblick Schritt 1, Würdigung: Was war dieses Jahr los?

Gib dir ein paar Minuten, um dich zu erinnern, was dieses Jahr überhaupt geprägt hat. Der Kalender für die vergangenen 12 Monate kann dabei helfen. Oder du scrollst durch deine Handyfotos. Erstaunlich, was alles in einem Jahr Platz hatte!

  • Ereignisse – Was war los? Was hat stattgefunden?
  • Besonderheiten – Worum musstest du dich kümmern?
  • Highlights – Welche besonderen Erlebnisse und Highlights hielt das Jahr für dich bereit? Welche Menschen hast du nach langer Zeit wieder gesehen? Welche schönen Ereignisse begleiten dürfen? Was ging wieder, was vorher länger nicht mehr ging?

Hast du dir ein Bild vom Jahr gemacht? Was ist dein Grundgefühl?

Mir ging es so, dass ich überrascht war, was mir alles einfiel mit ein bisschen graben.

 

Jahresrückblick Schritt 2, Mitgefühl und Trost

Manches war nicht gut – und ich weiß, dass viele Menschen ganz schön gekämpft haben. Wie schon im Dezember 2022 beschrieben in Weihnachtsruhe. Licht im Dunkel – zwei verschiedene Qualitäten.

Deshalb fangen wir mit Trost und Mitgefühl an.

  • Was hast du Schweres erlebt? Was lässt dich zweifeln oder verzweifeln? Wo geht dir die Zuversicht flöten?
  • Was war schwierig, schmerzlich, und benötigt dein besonderes Mitgefühl?
  • Worunter hast du gelitten? Was will benannt werden, weil es nicht passt, nicht stimmt?

Überlege, welche Art von Hilfe, Rückhalt und Getragenwerden du in diesen schweren Zeiten erlebt hast. Was dir Trost gegeben hat.

Manche Form von Verbundenheit entsteht gerade dann, wenn es uns schlecht geht.

Weil Menschen zu uns halten, weil wir innere Stärke entdecken. Oder innere oder äußere Quellen von Kraft und Zuversicht, zu denen wir vorher den Kontakt gar nicht so hatten.

Vielleicht hilft dir auch einer der Artikel

Das Schwere ist Teil unseres Lebens. Und wir haben nicht unbedingt die Wahl.

Doch wir haben immer die Wahl, unsere Perspektive neu zu wählen.

Und da kommen auch andere Menschen ins Spiel: als Vorbilder, als Unterstützung, als Netzwerk.

 

Jahresrückblick Schritt 3, Verbundenheit und Dankbarkeit

Als Menschen sind wir soziale Wesen. Wir unterliegen Einflüssen anderer Menschen, lernen voneinander. Andere profitieren von uns. Wenn wir Dankbarkeit empfinden oder auch Dank von Anderen erhalten, die wir weitergebracht oder beglückt haben, tut uns dies zutiefst gut.

Für mich gehört zu dieser Verbundenheit auch das, was ich lese, an Talks und Workshops buche, an Audios höre. Ich bin dankbar, Teil eines inspirierenden Wissensnetzes zu sein und Zugang zu so vielen Möglichkeiten zu haben.

  • Wichtige Einflüsse und Inspirationen – Was für Bücher, Gespräche, Konzepte, tolle Leute haben dich dieses Jahr inspiriert? Sind neu in dein Leben gekommen? Was hast du gelernt? Was prickelt, wenn du daran denkst? Was gibt dir Mut und Hoffnung?
  • Freundliche Verbundenheit – Wofür bist du dankbar? Welche Verbindungen, Begegnungen, Segnungen? Wer hat dich aufgefangen, begleitet, unterstützt?
  • Geholfen – Wo hast du dich eingebracht, Andere inspiriert, Dank erhalten für deinen Beitrag? Wo haben dir Andere das Feedback gegeben, dass du wichtig für sie warst? Dass die Welt ohne dich ärmer wäre? Diese Wahrnehmung stärkt uns ganz besonders! Wir brauchen es, für Andere wichtig zu sein.

Alle Gefühle von Verbundenheit – auch mit der Natur und dem Unendlichen – „zählen“ hier. Alles, was dir ein warmes, gewisses Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln kann.

Doch da ist noch jemand, eine weitere Person, die Dank verdient.

 

Jahresrückblick Schritt 4, Dankesrede an dich selbst

Und damit kommen wir zu dem Punkt, der mir die Idee zu diesem Artikel gegeben hat. Eine Idee, die ich auf Facebook bei einer Facebook-Freundin fand, Brigitte Ciraudo: Eine Dankesrede an sich selbst halten!

Brigitte schrieb mir, als ich sie nach der Übung fragte: „…die Idee kam mir, als ich eine Oscar-Verleihung gesehen habe und die Gewinner so vielen anderen Menschen gedankt haben. Ich dachte nur, dass ein großer Dank ja auch an sie selbst gehen sollte. Schließlich waren sie an ihrem eigenen Erfolg ja auch maßgeblich beteiligt. 😉

Das stimmt! Ohne uns selbst geht es ja nun wirklich nicht. 😄 Ich finde es sehr schön und bedanke mich, dass ich die Übung verwenden darf. Ich habe es gleich ausprobiert – es fühlte sich gut an. Und so geht die Übung:

Und dann würde ich dich gerne dazu animieren, eine Dankesrede zu halten bzw. aufzuschreiben. So ähnlich, wie bei einer Firmenfeier oder der Oscar-Verleihung.
Nur dieses mal dankst Du nicht den ganzen Kollegen, Chefs, Regisseuren, Drehbuchautoren, der Oma oder dem Ehemann, sondern Du dankst Dir selbst.
„Und dann möchte ich noch meinen Dank richten an: mich!
Für die ganze harte Arbeit, die ich geleistet habe.
Dafür, dass ich immer an mich geglaubt habe.
Dafür, dass ich unaufhörlich an mir und meinem Ziel gearbeitet habe.
Dafür, dass ich mir selbst treu geblieben bin.
Dafür, dass ich für andere Menschen da war.
Dafür, dass ich mit meinen Talenten und meinem Tun einen wertvollen Beitrag leisten konnte.“
Und so weiter …

Hier der Link auf Facebook: Kraft_W_Ort 41 – Was in uns liegt – Dankesrede – Brigitte Ciraudo – Facebook

 

„Gut gemacht!“

Wie wäre es also, nach diesem Jahresrückblick festlich auf deinen Kalender zu blicken, dir selbst zuzuprosten und feierlich Worte des Dankes und der Wertschätzung an dich selbst zu formulieren? 🙂

Fällt dir da nicht viel ein? Dann denke bitte noch einmal nach! Was hast du geleistet? Überstanden? Durchgehalten? Dich wieder aufgerappelt? Wo hast du Stärke bewiesen? Was hast du dazugelernt, und sei es unter schwierigen Umständen?

Du kannst dazu zum Beispiel folgende Sätze vervollständigen:

  • Ich danke mir dafür, dass …
  • Ich möchte würdigen, wie ich …
  • Ich bewundere mein / meine …
  • Hoch rechne ich mir an, dass ich …

Ich weiß, dass das für viele schwierig ist! Es gibt Sprichwörter wie „Eigenlob stinkt“ oder „Nicht geschimpft ist genug gelobt“ oder „Für den Alltag geht’s“, „Passt scho“ oder „Geht.“ Mehr als das sei geschleimt. Hast du solche Sätze gehört?

Diese decken sich aber nicht mit den aktuellen Erkenntnissen der Psychologie! Probier einmal aus, dich explizit für etwas zu würdigen und anzuerkennen. Verbal und gefühlsmäßig. Vielleicht bekommst du ja einen Zugang dazu.

Am Anfang fühlte es sich noch etwas klamm an, aber dann bekam diese Selbstwertschätzung bei mir richtig Schwung! Mir fiel ein, was ich anerkennend betrachten – und benennen kann.

 

Bonus: Ein bisschen feiern

Und dann noch die Idee – Errungenschaften oder Meilensteine zu feiern.

Mit einem Sekt, Saft oder Wasser anstoßen – eine kleine Polonaise durchs Wohnzimmer.

Was auch immer dir das Gefühl des Feierns gibt.

Natürlich kannst du das auch mit jemandem zusammen tun.

 

Ich habe die Übung schriftlich gemacht und eine große Wärme in der Herzgegend gefühlt. Das Gute annehmen können – auch mein eigenes Gutes annehmen können – vielleicht eine ungewohnte, aber auch eine schöne Übung. Ich hoffe, dass es mir für die Ziele und Wünsche des neuen Jahres Kraft gibt.

Cheerio!

Jana

Was hast du zu feiern? Was macht dich dankbar? Wie geht es dir mit der Dankesrede? Kannst mir gerne einen Kommentar schreiben, wenn du möchtest. Das freut mich immer.

2 Replies to “Dich feiern – Kleiner Jahresrückblick in Wertschätzung”

  1. Das ist ne gute Anregung für meinen – noch ausstehenden – Jahresrückblick. Ich stehe da sonst immer etwas planlos davor mit so einem Pflichtübungs-Gefühl. Danke für das „Klettergerüst“ für meine Gedanken.

    1. Danke für den Kommentar, Grane! Das mit der Pflichtübung verstehe ich, es bekommt dann etwas Schweres. Bei mir hat sich diese Form ergeben, das war ganz lebendig und leicht. Ich würde sagen, der Artikel ist nur ein Impuls – eine Einladung, etwas damit zu machen, was für dich leicht ist und stimmt. 🙂 Ein Erforschen mit Neugierde – was du selbst über dich und dein Jahr wissen möchtest oder so? Was du an Wahrnehmung gebrauchen kannst? Herzliche Grüße und einen guten Rutsch!

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