Mit Stoizismus durch die Corona-Pandemie

Ich habe gelesen, Stoizismus helfe gegen Überflutung in einer gebeutelten Welt. Interessiert mich. Nehmen wir eine Krise, Beispielsituation: Coronapandemie, dritte Welle. Wachstum exponentiell, wenig Schutzmaßnahmen von der Politik. Diskussion verzettelt sich, Streit zwischen den Verantwortlichen, Lobbyismus. Übrig bleibt ein halbherziger Dauer-Lockdown, der ständig einschränkt, aber zu wenig schützt. Alle entnervt. = Gut zum Ausprobieren von ein bisschen Stoizismus.

Diese alte Philosophie kann uns durch die Krise helfen: Indem wir uns der Realität stellen, Gelassenheit bewahren und uns um Lösungen bemühen. Als Einzelpersonen und als Gesellschaft. Das Thema Stoizismus ist groß, die Pandemie auch. Hol dir also einen Tee und lies in Ruhe:

 

Leugnung

Wenn wir Fakten ins Auge blicken und uns etwas zutrauen, können wir größte Schwierigkeiten lösen. Aber nicht, wenn wir den Kopf in den Sand stecken, die Situation als solche abstreiten, Alibis suchen, statt Verantwortung zu übernehmen. Das alles nennt man Leugnung oder Vermeidungsverhalten. Häschen in der Grube.

Wir alle kennen solche Gedanken: „Das kommt schon nicht so.“ „So schlimm wird es schon nicht werden.“ „Das darf einfach nicht sein.“ „Das könnte ich nicht ertragen.“ „Ich kann mich dem nicht stellen.“ „Also schaue ich lieber nicht hin.“ Ist irgendwie normal und menschlich. Bloß nicht hilfreich.

 

Leugnung verschlimmert das eigentliche Problem

Beispiel: bei Schulden vor Panik die eingehende Post lieber gar nicht erst öffnen – und ein Jahr später sitzt man mit dem ganzen Stapel bei der Schuldnerberatung und hofft, dass sie einem helfen.

Sowas brauchen wir in der Pandemie nicht. Wir brauchen vorausschauendes Fahren. Post öffnen. Handeln.

Wir müssen das Ausmaß der Probleme erkennen und zugeben. Und das können wir auch.

Hier meine aktuellen Corona-Gedanken, die pessimistischen und die optimistischen mit ein bisschen Stoizismus.

Wie üblich, die schlechten Nachrichten zuerst. 😉

 

Besorgt

Corona, seit über einem Jahr gibt es kaum ein anderes Thema, und es nervt. Aber es ist und bleibt da.

Mein Blick auf die Pandemie ist davon geprägt, dass ich schon Corona hatte, später ebenso meine Schwester und dann noch später meine Eltern. Alle „leichter Verlauf“ mit wochenlanger Krankheit (zuhause, ohne Krankenhaus), alle Langzeitfolgen. Und dabei weiß ich, dass wir noch Glück hatten.

Wenn ich dann auf die Entwicklung schaue und gleichzeitig die Diskussionen um Lockerungen der Coronamaßnahmen verfolge, sträuben sich mir die Haare. Lockerungen?! Entschuldigung, das ist der falsche Zeitpunkt.

 

Kritischer Zeitpunkt

Was bisher geschah:

  • März 2020, erste Welle, die Infektionszahlen werden mit Lockdown gesenkt. Weißt du noch Ostern 2020? Die Ansprache der Kanzlerin? Was für eine schwere Aufgabe das für alle wäre, sich nicht zu treffen wie üblich? Da schrieb ich frisch genesen diese Osterbotschaft: Trotz Corona immer wieder Richtung Hoffnung gehen.
  • Sommer 2020: Virologen warnen vor der zweiten Welle, die Politik wartet ab. Leute fahren in Urlaub und feiern große Feste. Parallel werden Impfstoffe in internationaler Anstrengung so schnell entwickelt wie nie zuvor.
  • Die zweite Welle im Dezember 2020 lässt die Zahlen im März wie einen Sandhaufen aussehen. Lockdown kurzfristig vor Weihnachten. Er wirkt, die Zahlen sanken wieder.
  • Die Impfungen beginnen. Hoffnung. Und dann kommen die fiesen Virusmutationen. Sie bilden sich in Gebieten mit extrem vielen Ansteckungen (wie Großbritannien, Südafrika, Brasilien) und setzen sich dann allmählich überall durch.

Und jetzt sind wir da, wo wir nie hinwollten. Dritte Welle, Wachstum exponentiell, Intensivstationen melden Alarm.

 

Mögliche Schutzmaßnahmen

Eigentlich ist es doch einfach. Es gibt zwei Wege, sich vor einem so extrem ansteckenden Virus zu schützen:

  1. Verhindern, dass es sich übertragen kann. Da sich das Coronavirus von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion und vor allem Aerosole in Innenräumen verbreitet, heißt das, Kontakte zu vermeiden, die einen anstecken könnten. = Kontaktbeschränkungen, Masken, verschiedene Formen des Lockdown, Tests. Das haben wir inzwischen gelernt, und es funktioniert.
  2. Verhindern, dass es zum Ausbruch der Krankheit kommt, wenn man auf das Virus trifft. Dazu sind die Impfungen da, aber sie sind jetzt noch nicht weit genug gediehen.

Wir müssen mit guten Mitteln aus Punkt 1 durchhalten, bis Punkt 2 greift.

 

Immer zu spät

Aber weil das Mittel eines Lockdown so drastisch ist, wird es erst spät angewendet.

Zu spät, wenn wir bedenken, dass sich schon fast 3 Millionen Menschen angesteckt haben, 75.000 Menschen sind an der Krankheit verstorben. Und wie viele unter Post Covid leiden, weiß niemand.

Zu spät auch für den Handel, die Gastronomie, die Wirtschaft, die ständig Verluste macht. (Nicht alle …)

Hätte man im Januar auf die Wissenschaftler:innen gehört und eine No Covid-Phase reingehauen, dann wären wir jetzt wo ganz anders.

 

Dritte Welle

Es traf immer ein, was die Virolog:innen sagten.

Jetzt sind wir, wo wir ständig bei 20.000 Neuinfektionen am Tag und höher liegen. Der R-Wert weit über 1. Wir müssten uns endlich darauf besinnen, die dritte Welle konsequent zu stoppen

So sieht die Kurve gerade aus:

Die aufsteigende exponentielle Linie ist das Ergebnis der jetzigen Maßnahmen.

Wie würdest du die Linie weitermalen, ohne weitergehende Maßnahmen?

Hier meine pessimistische hochwissenschaftliche 😉 Grafik, die ich auf dem Handy gekritzelt habe:

Rki-Leiter Lothar Wieler warnt vor 100.000 Neuinfektionen am Tag. Die Politik kann sich zu keinem „richtigen“ Lockdown durchringen, wendet ihre eigenen Regeln nicht an.

Die Krankheit und ihre Folgen macht uns ebenso Angst wie die seelischen und wirtschaftlichen Folgen eines ständigen halbherzigen Lockdowns.

Wir müssen durchhalten mit möglichst wenigen Erkrankungen und möglichst wenigen Toten, bis genügend Leute geimpft sind.

Der nächste verschärfte Lockdown ist eine Frage der Zeit. Je später, desto schlechter.

 

Wir hätten es früher haben können. Aber darauf konnten sich die verschiedensten Gruppierungen nicht einigen.

Warum?

 

Man traut uns zu wenig zu

„Wir sind doch keine kleinen Kinder“, sagte eine ältere Klientin zu mir. Ich denke, sie lebt Stoizismus, ohne es so zu nennen.

Sie sitzt mit sehr wenig Geld zusammen mit ihrer Tochter in einer kleinen Wohnung und hat wenig Spielraum. Sie ist richtig arm. Beide haben seelische und körperliche Erkrankungen. Trotzdem begreift sie die Pandemie. Man schränkt sich eben ein, wenn es nötig ist. Wir können es uns ja nicht aussuchen.

Im Übrigen verstehen Kinder die Pandemie sehr gut: „Mama, ich glaube nicht, dass das 1,5 m Abstand sind …“ „Papa, deine Maske hängt unter der Nase.“

Die Leute lesen Zeitung, schauen Nachrichten, sehen, was in anderen Ländern passiert. Wir sehen, wie alle Länder, die ihre Schutzmaßnahmen lockern, dann wieder höhere Zahlen kriegen und notgedrungen irgendwann schließen müssen.

Was ich nicht begreife, das ist, dass von der Politik nicht konsequenter gehandelt wird.

 

„Aber die Wirtschaft?“

Man könne der Wirtschaft keinen härteren Lockdown zumuten. Es würde unsere Finanzen als Gesamtgesellschaft gefährden.

Falsch: Es ist sowohl für Gesundheit als auch Wirtschaft besser, das Virus auszubremsen.

Man hätte Flautemonate wie November oder Januar nutzen können, so dass für alle die Ansteckungsgefahr sinkt.

Wir hätten ein Leben haben können, bei aller Vorsicht.

Es gibt noch etwas, was die Wissenschaft inzwischen weiß: Wo die meisten Ansteckungen passieren.

 

Wo wirklich die Ansteckungen laufen

„Alle Kontakte in Innenräumen, die ungeschützt sind“, führen zu den meisten Ansteckungen. Sagt Kai Nagel, Professor an der TU Berlin, der seit fast einem Jahr die Ausbreitung von Corona-Viren modelliert.

Ebenso Oliver Keppler, Professor für Virologie an der LMU München: Im Vergleich zu Begegnungen im Außenbereich ist der Kontakt in schlecht belüfteten Innenräumen um ein Zwanzigfaches infektionsgefährlicher.

Wo sind also die Hotspots für Ansteckungen?

  1. Familienleben,
  2. Private Besuche,
  3. Arbeitsplatz,
  4. Schulen und Kitas.

Quelle BR (27.03.2021)

Punkt 1. Familienleben und 2. Private Besuche sind stark kontaktbeschränkt. Das bringt viel, verursacht aber auch viel Leid.

Währenddessen wird Punkt 3 Arbeitsplatz stark außen vor gelassen und für Punkt 4 Schulen und Kitas gibt es zu wenig konsequente Unterstützung.

Während sich also viele seit einem Jahr übervorsichtig verhalten und praktisch niemanden mehr sehen oder sprechen, gehen woanders die Ansteckungen munter weiter.

 

Lobbyismus

Und deshalb stehen wir da, wo wir stehen:

  • Weil man der Industrie keine Vorschriften machen will, sie finanziell bevorzugt.
  • Weil man das Handwerk nicht bevormunden will und sie zu Masken verpflichten.
  • Weil man Konzerne und Behörden nicht bevormunden will, indem man dort Schnelltests vorschreibt, Großraumbüros verbietet und Homeoffice verpflichtend verlangt.
  • Weil man den Kultusministern nicht reinreden kann in ihre schwer verständliche Coronastrategie.

Dann wird auch ein einzelner zusätzlicher Ruhetag zu kurzfristig angesetzt und schnell wieder gekippt, weil er den Arbeitgebern nicht zuzumuten wäre. Corona-Murks: Wenn Lobbyisten die Kanzlerin mit einem Shitstorm stoppen.

Die ungleiche Behandlung wird gerade überdeutlich, und sie stinkt einem wachsenden Teil der Bevölkerung gewaltig.

 

Wie sieht der nächste „harte Lockdown“ aus?

  • Wir brauchen in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Gefährlichkeit privater Treffen. Kein Drohen und Schimpfen, sondern ständige Aufklärung.
  • Wir benötigen genügend Schnelltests. Familien- und Freundschaftsbesuche nur mit Test. „Hast du einen Test gemacht?“ Oder kurz mit Maske und Lüften.
  • FFP2-Masken und Schnelltests müssen an Arbeitsplätzen in Innenräumen Pflicht (Vorschrift) sein, nicht freiwillig.
  • Homeoffice sollte da Pflicht sein, wo HomeOffice möglich ist (natürlich nicht am Bau …)
  • Schulen: Masken, Tests, Wechselunterricht, Luftreiniger. Lehrkräfte impfen.

Kai Nagel sagt, man könne mit einigen wohlüberlegten Verschärfungen den R-Wert auf 0,5 senken. Die britische Virusvariante schon eingerechnet.

Ob das geschehen wird?

 

Die wissenschaftlich fundierte Strategie: No Covid

Statt einem emotionsgesteuerten Entweder-Oder (Lockdown oder Lockerungen) könnten wir konsequent die Strategie anwenden, welche von der Wissenschaft entwickelt wurde.

So sieht die NoCovid-Strategie der Wissenschaft aus: Eine Perspektive ohne Auf und Ab. Klare, nachvollziehbare Regeln. Mehr Bewegungsfreiheit. Die Gesellschaft wird als komplexes lernendes System verstanden. Ich finde den Artikel sehr lesenswert, hier meine Zusammenfassung:

Gerade weil eine liberale Gesellschaft sich nicht komplett rigide steuern lässt, ist ein ambitioniertes Ziel mit sehr niedrigen Inzidenzwerten wichtig. Denn die geben uns mehr Freiheiten zurück bei gleichzeitig höherer Sicherheit.

Dazu braucht es ein differenziertes Konzept mit Stufenplänen, klaren Richtwerten, lokaler Eindämmung und guter Kommunikation (!).

Ungerechtigkeiten müssen jeweils beseitigt und auch private Haushalte mehr finanziell unterstützt werden, um Armut zu vermeiden und die Bevölkerung zum Mitmachen zu motivieren.

Vermieden werden müssen auch 1. zu frühe Lockerungen und 2. Stagnation auf zu hohem Niveau.

Und was sagen andere zur aktuellen Situation?

 

Hoffen, dass es bald vorbei ist?

Okay – und was mache ich jetzt damit? Ist doch zum Auswachsen. Das Hü und Hott. Geziehe und Leugnen. Der Streit. Alle auf hoher Intensitätsstufe gesendet durch das Wahljahr.

In manchen Bereichen des Lebens können wir dem nicht ausweichen. Aber ich habe es satt, gefühlt immer darauf zu warten, dass „gelockert wird“. An jedem Festtag, zu jedem Urlaub. Werde ich dies dürfen? Werde ich das dürfen? Oh Nein, wieder nicht!

Das macht uns zu sehr von außen abhängig.

Von einem realistischen Punkt aus können wir uns ein Selbstmanagement erarbeiten, das funktioniert.

Und damit zum Stoizismus.

 

Mit Stoizismus durch die Krise

„Es wäre dumm, sich über die Außenwelt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.“

Mark Aurel

Der Stoizismus ist eine altgriechische und römische Philosophie, die sich heute wieder großer Beliebtheit erfreut. Angestrebt werden Gelassenheit, Selbstbeherrschung und Seelenruhe.

Der Stoizismus erkennt das Schicksal an und fragt:

  • Wie sieht die Realität aus? Was finde ich vor, was kann ich beobachten?
  • Was kann ich ändern?
  • Was kann ich nicht ändern?
  • Wo ist mein Platz?
  • Wie will ich also handeln? Unabhängig von außen?
  • Wie kann ich bei dem allem meine Balance bewahren? Und mich nicht von Geschehnissen und Emotionen „wie im Wirbelwind umhertreiben zu lassen“ (Mark Aurel)?

Auch wenn mir der Stoizismus teils zu gefühlsblind und recht „männlich“ ist, würde es uns gut tun, ein bisschen sachlicher, reflektierter und unabhängiger zu leben. Hier der Wikipedia-Eintrag.

Der sympathischste Stoiker ist für mich Kaiser Mark Aurel, ein introvertierter Tagebuchschreiber, der in seinen „Selbstbetrachtungen“ hochbetagt seine Lebensweisheit zusammenfasste.

„Die Fähigkeit, glücklich zu leben, kommt aus einer Kraft, die der Seele innewohnt.“

Mark Aurel

In Anne Heintzes Buch „Auf die leise Weise“ dienen seine Zitate als Beispiele einer selbstbewusst gelebten Introversion.

 

Stoizismus: Die Realität anschauen, wie sie ist

Ein Grundprinzip des Stoizismus ist:

„Das eine steht in unserer Macht, das andere nicht.“

Epiktet

 

Es geht mir gegen den Strich, das so zu schreiben, doch das ist die neue Wirklichkeit: Die Existenz von Corona Sars-CoV-2 wird künftig zu unserem Leben gehören. Es gibt die Zeit vor Corona. Und jetzt sind wir in der Zeit nach Corona.

Das ist kein akuter Notfall mehr – das ist unsere Realität, die Umsicht und systematisches Handeln verlangt, keinen Dauer-Alarm.

Alles, was wir jetzt über Schutz lernen, dient uns in der Zukunft. Wir werden Resilient durch die Krise.

Doch wie ist denn die aktuelle Perspektive?

 

„Wie lange dauert das noch?“

Es ist gewagt, sich dazu zu äußern. Mit unseren Vermutungen letztes Jahr haben wir jedes Mal falsch gelegen. Die Mutationen haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Stand heute: Etwa sechs Monate noch mit starken Kontaktbeschränkungen, dann überwiegt der Impfschutz.

So betrachtet es auch BioNTech-Gründer Uğur Şahin:

Steigende Inzidenzzahlen scheinen ein Ende des Corona-Lockdowns in weite Ferne zu rücken. BioNTech-Gründer Uğur Şahin glaubt, dass ein Großteil der Beschränkungen im Herbst aufgehoben sein wird. Bis dahin müssen wir aber noch mit den Schutzmaßnahmen leben. Dass das Virus ganz aus unserem Alltag verschwinden wird, glaubt der Unternehmer und Bundesverdienstkreuzträger nicht. Şahin zur Welt am Sonntag:

„In vielen Ländern in Europa und in den USA werden wir wahrscheinlich Ende des Sommers in der Situation sein, nicht mehr in einen Lockdown zu müssen.“

Der Gründer des Mainzer Pharmaunternehmens BioNTech rechnet im Herbst mit einem Ende der Lockdown-Politik. Şahin sagt:

„Es wird natürlich weiterhin lokale Ausbrüche geben, das wird ein Hintergrundrauschen bleiben. Es wird Mutationen geben. Aber diese werden mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Schrecken verbreiten.“

Quelle: FAZ (27.03.2021)

Werde ich Anfang Juli meinen 50. Geburtstag mit einer Party nachfeiern können? Fraglich. Das werde ich erst im Juni wissen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Da möchte ich flexibel und gelassen bleiben.

Da ist so vieles, was wir nicht ändern können. Hier ordne ich die Beobachtungen von oben ein:

 

Ich kann nicht ändern, dass …

  • … die Zukunft unklar ist,
  • … die Politik aus so vielen gegensätzlichen Meinungen besteht und die Entscheidungen auch aus unangemessenen Motiven getroffen werden,
  • … man sich also erst auf den letzten Drücker zu konsequentem Schutz durchringen kann, was unglaublich viel Leid verursacht,
  • … falsche Gegensätze kursieren wie „Gesundheitsschutz gegen Wirtschaft“, obwohl ein konsequenter Schutz sowohl für Gesundheit als auch für Wirtschaft besser wäre,
  • … vorhandene Strategien nicht genutzt werden,
  • … ein Teil der Bevölkerung die Gefahr unterschätzt und sich unnötig ansteckt und die Krankheit verbreitet, weil weder Aerosole noch exponentielles Wachstum verstanden werden.

 

Leider kann ich überhaupt nicht ändern, dass …

  • … es Gruppen gibt, die jede Krise für sich ausnutzen und sich daran bereichern. Und Gruppen, die fundamentalistische Thesen verbreiten und aktiv versuchen, die demokratische Gesellschaft zu spalten,
  • … es ausgerechnet die Arbeitskräfte im Erziehungs- und Gesundheitswesen sind, die sich in ihren aufopfernden Berufen am häufigsten anstecken und schwer erkranken,
  • … die bestehenden gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten sich in der Krise noch schlimmer auswirken,
  • … die Welt ein globales Dorf mit sehr unterschiedlichen Mitgliedern ist (viele davon nicht in freiheitlichen Gesellschaften) und wir alle voneinander abhängig.

Ich kann Beiträge leisten, ja, aber ich kann es nicht ändern, dass es jetzt so ist.

Es wäre gut, wenn ich mich nicht daran aufreibe, sondern balanciert bleiben kann.

 

Stoizismus: Es ist, wie es ist

Die nächsten sechs Monate werden nicht normal sein.

„Es geht schon ein Jahr!“

Ja, ich weiß. Es ist eine Pandemie. Eine Seuche in noch nie dagewesener Schwere und Verbreitung. Ein historisches Ereignis. Übel mit üblen Folgen weltweit.

 

Gedankenexperiment:

  • „Auch dieses Jahr wird nicht normal sein.“
  • „Wenn es gut läuft, können wir Weihnachten einigermaßen normal feiern.“
  • „Von möglichen Treffen und Lockerungen lasse ich mich positiv überraschen“.
  • „Bis dahin mache ich aus meiner Situation nach meinen Möglichkeiten das Beste für mich und mein Umfeld.“

 

Wie geht es dir damit?

  • Welche Gefühle macht es bei dir? Angst, Trauer? Depression, Verzweiflung? Wut?
  • Was bräuchtest du im Umgang mit den Gefühlen?
  • Was bräuchtest du für deine mentale Gesundheit, deine Balance?
  • Welche zusätzliche Hilfe bräuchtest du?

Vielleicht brauchst du sowohl Mitgefühl als auch Selbstmitgefühl, wie in diesem Brief von Mitgefühl beschrieben.

Ich merke all diese Gefühle. Aber ich merke auch eine Beruhigung, wenn ich es als gegeben setze. Irgendetwas in mir entspannt sich.

 

Was würdest du dann tun?

Wenn du es akzeptieren könntest, wie würde deine Anpassung an die Situation aussehen?

Was würdest du tun, ruhig und friedlich, trotzdem möglichst aktiv im Rahmen der Möglichkeiten?

  • Wie würdest du deine Kontakte pflegen?
  • Welche Hobbies und Tätigkeiten verfolgen?
  • Wie könntest du zusätzliche Kraftquellen finden?
  • Was könntest du noch in deinem Leben ändern, was dir gut tut?

Ich persönlich brauche viel Zeit für gesundheitliche Themen und möchte meine Kreativität fördern.

Hier noch ein paar Ideen:

 

Queste Blog Empfehlungen

 

Konsequenter Schutz

„Wir bleiben im Lockdown“, wie eine Freundin von mir entschieden sagte. Bevor sie nicht geimpft ist, wird sie sich weiter supervorsichtig verhalten. Eine Art selbstverordneter Quarantäne. Nicht alle können es; aber wo wir es können, sollten wir es tun. Mit verantwortlichen Ausnahmen.

Den Schutz hochhängen und sorgfältig durchziehen. Einen Haken hinter das Thema machen und das Leben so führen, wie es jetzt möglich ist.

  • In Gebäuden stoisch FFP2-Maske tragen. Auch mit Maske Abstand einhalten und Kontakte kurz halten.
  • Private Kontakte draußen. Beim Spazieren passiert garantiert nichts.
  • Bei privaten Treffen drinnen sicherstellen, dass niemand Corona haben kann. Mit Schnelltests (kostenlos im Testzentrum nach Voranmeldung) oder Luftreiniger. Oder weiter mit Telefon und Online-Medien.
  • Trag dich für die Impfung ein.

 

Stress senken

Das hohe Maß an Alarm und Gereiztheit in der Gesellschaft trägt nicht zur Problemlösung bei … Wir stecken einander auch mit Stress an.

Den Stress-Level zu senken tut dir selbst gut und anderen. Dazu helfen:

  • Körperliche Bewegung und Aufenthalt in der Natur
  • Regelmäßige Meditation oder Entspannung
  • Beratung, Coaching, Therapie zum Umgang mit schweren Situationen und zum Bearbeiten eigener Konflikte, die dich zusätzlich belasten und alles noch schwerer machen
  • Übungen, Physiotherapie, Osteopathie usw. zur Auflösung körperlicher Blockaden
  • Nachrichten-Entzug: Klar entscheiden, wann wir alarmierende Botschaften konsumieren und wann nicht.

 

Erhöhe deine Ressourcen

Das Ganze geht schon ein Jahr. Es wird Zeit, wieder mehr positive Elemente ins Leben hineinzubringen.

Du hast sicher schon viel für dich getan und bist tapfer durch dieses krasse Jahr gekommen. Vielleicht kannst du dein Wohlbefinden noch erhöhen:

  • Tagesstruktur mit wohltuenden Elementen und positiven Ritualen anreichern
  • Tagebuch oder andere Formen der Reflexion, die ausgeglichener machen
  • Hobbies und wertvolle Beschäftigung, die befriedigt und erfreut
  • Viele kleine Highlights einbauen, Freude an kleinen Dingen nutzen
  • Sich etwas Neues vornehmen, das inspiriert.

 

Pflege deine Kontakte

Wir brauchen gelingende Sozialkontakte notwendig. Wir können nicht ewig im „inneren Lockdown“ bleiben, wie das Dr. Gudrun Schwarzer in einem Newsletter nannte.

„Wenn wir irgendetwas unterschätzen in unserem Leben, dann ist es die Wirkung der Freundlichkeit.“

Mark Aurel

 

  • Kontakte weiterhin pflegen, auf eine Weise, die jetzt geht und die gut tut.
  • Ehrenamtlich oder einfach zwischenmenschlich helfen,
  • Empathisch, freundlich und gelassen sein; zuhören, auch wenn es jemandem schlecht geht.
  • Aber auch: nicht nur über Corona reden. Gibt es auch andere Themen, die inspirieren können?
  • Und dabei trotzdem auf die eigenen reellen Grenzen achten. Vielleicht können wir nicht alle Kontakte halten, sondern nur eine gewisse Menge. Und brauchen auch Auszeiten.
  • Besonnenheit und eine differenzierte Sichtweise können positiv um uns herum wirken gegen die Panik-Ansteckung.
  • Gesellschaftlich wertvolle Ziele nach unseren Werten unterstützen.

 

An dieser Stelle Danke an dich für alles, was du bisher getan hast, um die Krise lebbar zu machen.

Ich denke, in sehr vielen Bereichen reagieren die Leute so stoisch sie können, und machen das Beste aus der Situation.

Was ziehst du dir aus diesem Artikel? Was für Möglichkeiten lebst du schon? Was willst du ausprobieren? Was für Ideen hast du noch?

Schreib mir in den Kommentaren.

 

Also dann – schönen Lockdown! 😉

Sorry, Corona-Humor.

Demnächst kommt wieder etwas, das ein bisschen aufmunternder ist.

Stay safe.

Jana

2 Replies to “Mit Stoizismus durch die Corona-Pandemie”

  1. Ein schöner Artikel, der mir Mut macht, noch länger durchzuhalten. Alles Andere wurde schon vielfach probiert und funktioniert ja doch nicht.
    Vielleicht finde ich noch mehr Zeit für Kreativität. (Bis jetzt hat das noch nicht so ganz geklappt.)

    1. Liebe Grane,
      wenn der Artikel Mut macht, dann ist es gut. Ein bisschen durchhalten müssen wir noch …

      Was die Kreativität anbelangt: Im Zweifelsfall dem Leben winzige Portionen abluchsen und das zur Gewohnheit machen.
      Wir unterschätzen oft, wie viel schon 5 Minuten bringen, und dann lassen wir diese 5 Minuten weg.
      Abluchsen und genießen. 🙂

      Das Beste für dich und gutes Gelingen
      Jana

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